von Dr. Brigitte Jurik-Cihak
Die Schmerzdiagnose Kompetenter Umgang mit Schmerzzuständen von Patienten im terminalen Stadium von Krebs setzt voraus, dass wir auch im Umgang mit
unserem eigenen Scherz kompetent und ehrlich sein können. Er muss unserem Mensch-sein begegnen können, denn wir ÄrztInnen und Pflegende sind Menschen mit Gefühlen, Grenzen, Verständnisfähigkeit und Werten. Und die Qualität unserer
Medizin wird auch ganz wesentlich davon abhängen, wie wir unsere Rolle als Arzt/ Ärztin oder Schwester/ Pfleger mit unserem Mensch-sein ausfüllen und dabei auch mit uns selber umgehen. Schmerz ist, was der Patient darüber sagt!
Um Schmerz einschätzen zu können, brauchen wir aber auch zusätzlich die Beobachtung der pflegenden Personen und Zusatzdaten:
Schmerz ist immer nur ein Symptom des gesamtbeschwerdebildes, das stets als Ganzes erfasst und behandlet werden muss. Das Erkennen der Schmerzursache ist daher die Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerztherapie.
Dabei hat sich die Differenzierung in
bewährt. Folgende Ursachen von Karzinomschmerzen sind zu bedenken:
Aus pathophysiologischer Sicht sind Tumorschmerzen überwiegend somatische oder vis- cerale Nozizeptorschmerzen. 30% der Patienten klagen zusätzlich über neuropathische Schmerzen. Diese werden als
"einschiessend" oder "brennend" beschrieben. Einschätzung der Schmerzintensität
Zur Erfassung der subjektiven Schmerzintensität hat sich die "Visuelle Analogskala" bewährt. Schmerzschwelle und Toleranz Die Schmerzschwelle als physiologische Komponente
ist bei allen Menschen gleich. Es ist die nötige Intensität, um Schmerz auszulösen. Die Schmerztoleranz als psychologische Komponente
ist bei jedem verschieden und von der Dauer und Intensität des Schmerzes abhängig. Total Pain - Schmerz als globales Leiden ist ein Modell, das den Schmerz nicht einfach als Ursache-Wirkung-Phänomen (hier Körperschaden - dort
Schmerzerleben) beschreibt, sondern als das komplexe erleben eines Menschen in einer Grenzsituation. Dabei entdecken wir die körperliche Dimension (körperlicher Schmerz), die seelische Dimension
(Trauer, Angst, Wut, Depression), die geistige Dimension (existentielle Not, Glaubenskrise, Hadern mit Gott/dem Schicksal) und die soziale Dimension
(Verluste im Zusammenhang mit der Paarbeziehung, Familie, Freunden, Kollegen) Symptomkontrolle Als Symptomkontrolle bezeichnen wir die Erfassung und Dokumentation der verschieden- en Dysfunktionen und
Begleitzustände bei Tumorerkrankungen. Die häufigsten Symptome der Terminalphase sind:
In früheren Stadien werden vor allem Schmerzen, Obstipation, Übelkeit, Atemnot, Müdig- keit, Appetitmangel, Hautschäden, Angst und ähnliche tumorinitiierte und -asoziierte Symp- tome auftreten. Die häufigsten
Symptome in der finalen Phase sind Schmerz, Unruhe, Dyspnoe, Präfinales Lungenödem, Erbrechen und Mundtrockenheit. Schmerztherapie in der Terminalphase 1990 gab der Weltärztebund eine Erklärung heraus, die sich mit dem
Endstadium einer zum Tode führenden Erkrankung mit chronischen Schmerzen befasst:
Die Therapieansätze können je nach Krankheitsfortgang supportiver, palliativer oder antineoplastischer Natur sein. Es ist sehr hilfreich alle Möglichkeiten der Pflege auszu- schöpfen und in die Symptomverminderung einzubeziehen,
ebenso alternative und kom- plementärmedizinische Therapien, wenn die gewohnten Möglichkeiten versagt haben und Symptome noch weitere Hintergründe haben, die wir noch nicht entdeckt haben. Viele Medikamente verursachen
Mundtrockenheit (Neuroleptika, Opioide, Antidepress- iva)oder Entzündungen der Mundschleimhaut treten auf (druch Bestrahlung, Chemo- therapie). Durch die allgemeine Abwehrschwäche kann es zu bakteriellen oder mykot- ischen
entzündungen kommen, welche die Nahrungsaufnaheme erschweren und zu- sätzliche Schmerzen verursachen. Hier ist Prävention unentbehrlich. Täglich mehrmalige Mundpflege und frühzeitig eingesetzte antifungizide Therapie hilft, diese
Symptome zu verringern und zu vermeiden. Reinigend wirken Natriumbicarbonat- lösungen oder Chlorhexidine, schmerzlindernd vor allem systemische Analgetik und Anti- phlogistika, lokale und systemische Antimykotika und bei trockenem
mund auch künstlicher Speichel. Ursachen des Erbrechens können unter anderem Medikamente sein, Stoffwechselentgleis- ungen, Ileus und andere mechanische Komponenten, zentrale Metastasierung oder auch psychogen antizipatorisches
Erbrechen. Daher kann die Kombination der Symptom- ursachen auch eine Kombination der Antiemetika erforderlich machen. Bei der Ursachenanalyse der meisten anderen Symptome kann analog vorgegangen werden. Die Medikamente können
nach gegebener Mischbarkeit sinnvoll kombiniert auch in der PCA-Schmerzpumpe kontinuierlich subcutan verabreicht werden. Medikamente Im folgenden wird auf vier Medikamente verwiesen, die bei ca 90% der
sterbenden Patienten für eine ausreichende Schmerztherapie und Symptomlinderung sorgen:
Bei bewusstlosen oder verwirrten Patienten kann der Bedarf an Schmerzmedikamenten und Sedativa an folgenden Kriterien erkannt werden:
Bei allen Therapien darf nie vergessen werden, dass der Patient die Terminalphase durch- lebt und jede Behandlung nur die Erleichterung des selbständigen Sterbeprozesses zum Ziel hat.
Therapeutische Grundsätze in der Sterbebegleitung
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