App soFORTA auf das Handy!

Ab und zu kann es geschehen, dass nicht nur die Pflege mit den Händen in der Hosentasche, sondern auch die Medizin mit dem Handy in der Hosentasche gut beraten ist. Insbesondere dann, wenn es mal eine wirklich nützliche Applikation für Smart- oder I-Phone gibt.

Wie der Newsletter der deutschen Gesellschaft für Geriatrie nun berichtete, wurde jetzt eine App mit der FORTA-Liste entwickelt, jener Klassifizierungsliste von Medikamenten, die bei alten Menschen tatsächlich etwas taugen. Und auf welche pharmakologische Substanzen in der Geriatrie eher verzichtet werden sollte.

Zeitdruck bei der Behandlung und unerwünschte Nebenwirkungen von verschriebenen Medikamenten –  nur zwei Herausforderungen, denen Ärzte bei der Behandlung älterer Menschen gegenüberstehen, so die DGG in ihrer Aussendung vom 4. Juni.

Falsch dosierte oder falsch angewendete Arzneimittel können zu Komplikationen führen, doch die Behandlungszeit bei Hausärzten liege in Deutschland durchschnittlich bei nur acht Minuten pro Patient. Dies gilt aber auch hierzulande und für Ärzte in Pflegeeinrichtungen

„Da muss die Sichtung der zahlreichen vorhandenen Arzneimittel schnell gehen und dennoch auf den Patient*innen abgestimmt sein“, sagt Professor Martin Wehling, Direktor der Klinischen Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine App entwickelt, die genau auf diese Probleme zielt. Die App gibt jetzt es für den gesamten deutschsprachigen Raum.

„Die sogenannte FORTA-App (Fit FOr The Aged) gibt behandelnden Mediziner*innen erstmals eine digitale Liste an die Hand, die sowohl untaugliche als auch nachweislich nützliche Arzneimittel für ältere Patient*innen benennt“, so Wehling.

Die Applikation verringere die Fehlerquote bei der Medikamenten-versorgung und steigere so die Lebensqualität der Patienten. Seit ihrer Veröffentlichung wurde die App schon mehr als 10.000 Mal herunter-geladen, nach dem Launch war es die sechstmeistgedownloadete App im Medizinbereich. Auch die Apple- und Windows-Phone-Version sind nun verfügbar. „Dieses Ergebnis zeigt uns, dass diese App als Unterstützung für Ärzte gut angenommen wird“, so Wehling.

FORTA-Liste: Alterstauglichkeit von Medikamenten präziser bestimmen

Wissenschaftliche Grundlage der App ist die VALFORTA-Studie, die im Jahr 2016 unter Wehlings Leitung veröffentlicht wurde. Ziel der Studie sei es gewesen, die Über- und Unterversorgung mit Medikamenten jeweils deutlich zu verringern.

Die FORTA-Klassifizierung ist eine Bewertung der Alterstauglichkeit von Arzneimitteln, die sowohl Positiv- als auch Negativ-Bewertungen beinhaltet. Aus ihr wurde schließlich die FORTA-Liste entwickelt, die 296 Bewertungen für 30 Indikationen, enthält. Anders als reine Negativ-Listen, die nur beschreiben, welche Medikamente nicht verwendet werden sollen, beleuchtet die FORTA-Liste auch die positiven Seiten von Wirkstoffen.

Nutzwert von Medikamenten: Übersicht für den gesamten deutschsprachigen Raum

Die FORTA-Liste, die 2016 in der zweiten Version erschien, wurde zunächst von deutschen und österreichischen Experten bewertet. Anfang 2019 wurde unter Beteiligung Schweizer Mediziner die dritte Version für den gesamten deutschsprachigen Raum herausgegeben.

Inzwischen existiert auch eine europäische Liste – vergangenes Jahr beteiligten sich sieben europäische Länder an der Bewertung und kreierten die EURO-FORTA-Liste mit 264 Positionen für insg. 26 Indikationen. „Die FORTA-Liste hat sich sehr erfolgreich entwickelt und wir erkennen, dass sich das Prinzip der Positiv-/Negativ-Liste gegenüber anderen Verfahren durchzusetzen scheint“, sagt Wehling.

FORTA-Bewertung zusammen mit dem geriatrischen Assessment nutzen

Unter der Beteiligung von Martin Wehling wurde gerade auch die Studie Higher Fit-fOR-The-Aged (FORTA) Scores Comprising Medication Errors are Associated with Impaired Cognitive and Physical Function Tests in the VALFORTA Trial veröffentlicht, in der auch die möglichen Zusammenhänge zwischen dem FORTA-Score und dem geriatrischen Assessment untersucht wurde.

„Wir erkennen Zusammenhänge zwischen dem FORTA-Score und den funktionellen Aspekten der Patient*innen in dem Sinne, dass ein hoher Score, also mehr Medikationsfehler, mit deutlichen funktionellen Einschränkungen einhergeht“, sagt Wehling. Für den Wissenschaftler ist die FORTA-Liste eine Pflichtlektüre für alle Mediziner*innen, die sich mit älteren Menschen beschäftigen.

„Die Applikation gehört auf jedes Smartphone von Geriater*innen, Hausärzt*innen, aber auch anderen mit der Altersmedizin befassten Ärzt*innen wie Internist*innen, Neurolog*innen oder Psychiater*innen“, so Wehling. Vor allem auch im niedergelassenen Bereich ließen sich viele Beeinträchtigungen bei alten Patient*innen vermeiden, die aktuell gar nicht ins Krankenhaus kommen.

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Quelle:

https://www.dggeriatrie.de