Selbst & Ständig freiberuflich pflegen – z. B. Petra Stöckl

Die Pflege ist endlich ins Zentrum der politischen Debatten gerückt. Da diskutieren Frau Klein und Herr Kurz, was immer das Thema hergibt – über Angebot und Nachfrage, über Kompetenzen und Gehälter, über Arbeitszeiten und -belastungen, über Wertschätzung und Qualität. Und noch immer herrscht landläufig die Meinung vor, Pflege sei eine Dienstleistung, die von Institutionen abhängig ist.

Aber: Wir können auch anders. In der folgenden Beitragsserie stellen wir zehn KollegInnen vor, die sich von diesem Irrtum „befreit“ und selbständig gemacht haben und ihren eigenen beruflichen Weg gehen. Weil nicht die Wirtschaft die Arbeit schafft, sondern die Menschen!

Petra Stöckl

Geboren 1980, diplomierte Petra Stöckl im Jahr 2001. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist vollzeit selbständig.

Seit wann sind sie freiberuflich tätig und was hat sie dazu angeregt?

Ich bin seit November 2017 freiberuflich tätig. Durch Zufall bin ich an einen Auftraggeber geraten, welcher freiberufliche DGKP suchte. Da sich für mich die freiberufliche Tätigkeit gut mit meiner privaten Situation vereinbaren ließ und ich Gefallen daran fand, stand für mich fest ausschließlich auf selbständiger Basis zu arbeiten.

Welche konkreten Leistungen Bieten SIe für welche KundInnengruppen an?

Ich bin einerseits für mehrere Auftraggeber auf freiberuflicher Basis tätig (Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege, Pflegegeld-begutachtung, Vortrags-tätigkeit) und andererseits biete ich private Pflegeberatung, -begleitung und -schulung sowohl mobil, als auch in einer Praxisgemeinschaft an. Zudem habe ich mich auf Vortrags-tätigkeit zum Thema Demenz und pflegende An- und Zugehörige spezialisiert und dazu eine eigene Schulungsreihe entwickelt. Seit 2019 habe ich meine Zielgruppe erweitert und biete unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung Kindergesundheitsworkshops zu Themen wie Anatomie/Physiologie, Altsein/Jungsein, Gesundheit/Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Behinderung und Demenz an.

Und wie kommunizieren Sie das? Mit welchen Mitteln bewerben Sie Ihre Leistungen?

Ich bewerbe meine Leistungen einerseits über meine Website und eine Facebook Firmenseite. Andererseits inseriere ich regelmäßig in regionalen Tageszeitungen und lege Flyer in Arztpraxen, sozialen Einrichtungen und anderen wichtigen Stellen aus. Für die effektivste Werbemethode halte ich jedoch die Mundpropaganda, gerade im ländlichen Bereich. Daher ist das Knüpfen von Kontakten das Um und Auf um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihrem Angebot?
  • „GUT beraten“ Schulungen für pflegende An- und Zugehörige
  • Kindergesundheitsworkshops für Kinder von 2-3 Jahren, 4-6 Jahren und Volksschulkinder: Minis4care, Minis4menz, Kiddies4care, Kiddies4menz
Freundschaft unter MitbewerberInnen – geht das?

Ich denke es ist durchaus auch eine Freundschaft unter MitbewerberInnen möglich. Grundsätzlich sehe ich den Kontakt zu meinen KollegInnen als beruflichen Kontakt – wertschätzend und unterstützend, sofern es auf Gegenseitigkeit beruht. Ein gut funktionierendes und breit gefächertes Netzwerk (auch aus anderen Berufsgruppen) ist in der Freiberuflichkeit sehr wichtig und hilfreich.

Ihr Vorbild?
  • Mein Ehemann, weil er mir Ehrgeiz und Zielstrebigkeit vorlebt
  • Mein viel zu früh verstorbener Vater, weil er mir jede Menge Humor mitgab, um nicht immer alles so ernst zu nehmen 🙂
  • Meine Kinder, weil sie Dinge einfach probieren, ohne an sich zu zweifel
Ihr größter Erfolg?
  • Den Schritt in die Selbständigkeit gewagt zu haben und somit das Leben leben zu können, welches ich mir vorstelle – weitgehend freie Zeiteinteilung, Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bringen, das zu tun was ich gerne mache und wofür ich brenne!
  • Meine Redeangst und Schüchternheit überwunden zu haben und meine Schwäche sozusagen zu meiner Stärke gemacht zu haben – die Leidenschaft Vorträge zu halten
Ihr schlimmster Fehler?

Fehler machen wir doch alle. Ich versuche eine möglichst positive Fehlerkultur zu leben und diese auch Anderen zu vermitteln. Ich habe es mir zum Motto gemacht: „Heute schon einen Fehler gemacht? Nein? Schade, nichts gelernt.“

Work-Life-Balance: Schaffen Sie das und wenn, wie?

Aufgrund der freiberuflichen Tätigkeit gelingt mir das durchaus. Ich kann mir die Arbeit weitgehendst frei einteilen und Familie, Freizeit und Beruf gut organisieren. Meine Termine plane ich größtenteils für vormittags bis spätestens frühen Nachmittag ein und bei den Kindergesundheitsworkshops kann ich meine Kinder sogar mitnehmen. Somit bleibt genug Zeit für Family Quality-Time und ab und zu sogar für ein bisschen Entspannung.

Was machen Sie in Ihrer Selbständigkeit nicht so besonders gern?

Ich mache eigentlich alles gerne was direkt mit dem Berufsbild der Gesundheits- und Krankenpflege zu tun hat und in „meine Bereiche“ hineinfällt. Mit der Buchhaltung beginne ich mich gerade erst etwas anzufreunden, doch diese gehört absolut nicht zu meinen Hobbies 😉

Wenn Sie drei Wünsche an die gute Fee hätten, welche wären diese?
  • Gesundheit und Glück für meine Familie und Freunde
  • Direkte Verrechnung ALLER Pflegeleistungen mit den Krankenkassen
  • Eine eigene gut laufende Praxis für Pflegeberatung und Kindergesundheit
Was empfehlen Sie KollegInnen, die ebenfalls in die Freiberuflichkeit gehen wollen?
  • Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken
  • Austausch mit erfahrenen KollegInnen
  • Zu Beginn Auftraggeber suchen, welche ein halbwegs regelmäßiges Einkommen bringen
  • Seid kreativ, habt Ideen und traut euch!!!

Kontaktadresse:


Sie sind ebenfalls als DGKP freiberuflich tätig und wollen sich und Ihre Leistungen hier präsentieren? Dann machen Sie das! Schicken Sie uns einfach ein formloses Mail – wir setzen uns mit Ihnen in Verbindung.