Zahlen bitte!

Da ist sie wieder, die Zeit der fokussierten Unintelligenz, wie Michael Häupl einmal die Wahlkampfzeit genannt hat. Und man kann dem nicht gänzlich widersprechen: Die einen feiern ihren Messias, der sich vom NLP-Schmäh übers Wasser tragen lässt, die anderen schweben in Klassenkampfsphären, die niemals die ihren waren und die dritten bestehen „jetzt erst recht“ auf ihre soziale Inkompetenz.

Uns hingegen bleibt nichts erspart, nicht mal die Entscheidung ob wir darüber berichten wollen (auch wenn es mancher probiert). Zuviele Baustellen in der Pflege sind offen, zuviele Klugscheisser wuseln herum und zuwenige, die Lot und Kelle noch erkennen, geschweige denn damit umgehen könnten und anpacken. Für alle, die sich trotzdem trauen, hier ein paar nackte Zahlen zum Einstieg:

456.000

Menschen sind derzeit in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen. Das ist soviel wie ganz Graz und Eisenstadt an Einwohner*innen haben. 750.000 Pflegebedürftige werden es in 30 Jahren sein – dann werden wir 40.000 Pflegekräfte mehr benötigen als jetzt.

365.000

Pflegebedürftige werden von Angehörigen zuhause gepflegt. 147.000 nehmen (statt oder zusätzlich) mobile Dienste in Anspruch, während in stationären Einrichtung „nur“ rund 75.000 Pflegebedürftige leben und alternative Wohnformen wie betreute Wohngemeinschaften lediglich von rund 12.000 Menschen genutzt werden.

18.700

Klient*innen werden in Wien von mobilen Diensten versorgt, 16.400 sind es in Niederösterreich, 13.800 in Oberösterreich

10.900

Menschen werden in der Steiermark in stationären Einrichtungen gepflegt. 9.860 sind es in Oberösterreich, 9.230 in Wien.

8.650

Menschen leben in Wien in alternativen Wohnformen. 1.256 sind es in der Steiermark, 170 in Burgenland. In Öberösterreich sind es 36 (!).

65.000

Pflegebedürftige werden aktuell von 24-Stunden-Betreuer*innen versorgt. 2016 wurden 33.000 davon öffentlich gefördert. Die Kosten dafür beliefen sich auf 150.000.000 Euro.

50

Prozent der 24-Stunden-Betreuer*innen wird das Land innerhalb von drei Jahren ab Beginn der Tätigkeit verlassen. Grund sind die Beiträge zur Sozialversicherung der SVA, die in voller Bandbreite ab dem 4. Jahr unabhängig von den tatsächlichen Einkünften zum tragen kommen.

30

Prozent der 24-Stunden-Betreuer*innen beziehen entsprechend EU-Recht Familienbeihilfe. Die türkis-blaue Regierung plante zuletzt die Kürzung der Familienbeihilfe für Kinder, die nicht in Österreich leben (was bei 24-Stunden-betreuerinnen gar nicht möglich ist). Wird dies umgesetzt, werden diese Betreuer*innen ihre Tätigkeit einstellen.

5.700.000.000

Euro werden derzeit in Österreich pro Jahr für Pflege ausgegeben. Fünf Milliarden davon muss der Staat zuschiessen. Die türkisblaue Bundesregierung dachte bis zu ihrer Auflösung über die Einführung einer Pflegeversicherung nach, um diese Kosten decken zu können – zu einem Beschluss kam es nicht.

3

Prozent Erhöhung der Lohnnebenkosten würde eine solche Pflegeversicherung kosten. Allerdings nur den Arbeitnehmer*innen. Arbeitgeber, Selbständige und Bauern wären von Beitragszahlungen einer Pflegeversicherung wie von ÖVP/FPÖ gedacht, nicht  betroffen, obwohl auch ihre Pflege daraus finanziert würde.

0

Ahnung, wie es mit dem von der bisherigen türkis-blaunen Regierung vollmundig angekündigten Masterplan Pflege weitergehen wird.

 

Mögest du in interessanten Zeiten leben. (Chinesischer Fluch)

 

Quelle: Kontrast