Selbst & Ständig freiberuflich pflegen – z. B. Marina Meisterhofer

Die Pflege ist endlich ins Zentrum der politischen Debatten gerückt. Da diskutieren Frau Klein und Herr Kurz, was immer das Thema hergibt – über Angebot und Nachfrage, über Kompetenzen und Gehälter, über Arbeitszeiten und -belastungen, über Wertschätzung und Qualität. Und noch immer herrscht landläufig die Meinung vor, Pflege sei eine Dienstleistung, die von Institutionen abhängig ist.

Aber: Wir können auch anders. In der folgenden Beitragsserie stellen wir zehn KollegInnen vor, die sich von diesem Irrtum „befreit“ und selbständig gemacht haben und ihren eigenen beruflichen Weg gehen. Weil nicht die Wirtschaft die Arbeit schafft, sondern die Menschen!

Marina Meisterhofer

Geboren 1978, diplomierte Marina Meisterhofer im Jahr 2000. Sie lebt in einer Partnerschaft, hat zwei Hunde und eine Katze und ist teilzeit selbständig. Bei der Casa Leben im Alter GmbH ist sie im Qualitätsmanagement Pflege tätig und erhebt dort die Lebensqualität von Menschen mit Demenz mittels Dementia Care Mapping (DCM).

Seit wann sind sie freiberuflich tätig und was hat sie dazu angeregt?

Seit Jänner 2018; also 1,5 Jahre. Mein innerer Motor für die Freiberuflichkeit ist meine personzentrierte Haltung nach Tom Kitwood, die ich in Ruhe und in angemessener Zeit bei Menschen mit Demenz anwenden möchte.

Welche konkreten Leistungen Bieten SIe für welche KundInnengruppen an?

Für Betroffene oder pflegende Angehörige biete ich individuelle Beratung und Betreuung zu Themen rund um eine Demenzerkrankung an. Sei es sinnvolle Beschäftigung und Betätigung zu finden, Verhaltensweisen zu dolmetschen oder einen besseren Umgang in  herausfordernden Pflegesituationen zu finden.

Und wie kommunizieren Sie das? Mit welchen Mitteln bewerben Sie Ihre Leistungen?

Ich informiere über meine Leistungen durch  Aushänge und Flugblätter in den Gemeinden bzw. Arztpraxen, auf meiner Website www.dema-meisterhofer.at und auf meiner Facebook-Seite.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihrem Angebot?

Individuell zugeschnittene, unabhängige Beratung zu einem aktuellen Thema innerhalb der eigenen vier Wände. Je nach Zielgruppe vom vielbeschäftigten Angehörigen Mitte 40 der digitale Informationen bevorzugt, über eine Betreuungsperson bis hin zum betagten Pflegenden 80plus, der Broschüren und Anleitungen in der Hand halten möchte – ich bin auf alles eingerichtet.

Freundschaft unter MitbewerberInnen – geht das?

Meiner Meinung nach ja; wenn es auf Gegenseitigkeit beruht. Ich greife auf ein weites kompetentes Netzwerk von Fachpflegepersonen im In- und Ausland zurück. Vernetzender Austausch, Urlaubsvertretungen oder Wissensmanagement können hier im Vordergrund stehen. Ich würde es berufliche Freundschaft nennen, der gemeinsame Nenner ist ja der berufliche Kontext rund um die Pflege und Betreuung.

Ihr Vorbild?

Mehrere DGKPs in meinem Umfeld, die langjährig selbständig sind, zähle ich zu meinen Vorbildern.

Ihr größter Erfolg?

Trotz zahlreicher und durchaus unterschiedlicher Ausbildungen meinen beruflichen Fokus gefunden zu haben, sehe ich bisher als größten Erfolg. Der vorherrschende Konformismus in der Pflegebranche bzw. die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten können womöglich zu einem „Wissens-Fass ohne Boden“ werden.

Ihr schlimmster Fehler?

Sich von Personen irritieren lassen, die einen unterschiedlichen Qualitätsanspruch in der Pflege und Betreuung alter Menschen haben. Dies führte nur zu unnötigen Diskussionen und raubte kostbare Zeit.

Work-Life-Balance: Schaffen Sie das und wenn, wie?

Bereits von meinen Turnuszeiten her, bin ich verwöhnt, unter der Woche freie Tage zu genießen. Ich verwende einen fixen Wochentag für Besuche und gemeinsame Unternehmungen mit meiner Großmutter (83). Die Selbständigkeit ermöglicht mir zudem auch die Tageszeit individuell für Arbeits- bzw. Lebenszeit zu verwenden

Was machen Sie in Ihrer Selbständigkeit nicht so besonders gern?

Trotz meiner grandiosen Steuerberaterin zählt die Buchhaltung im Hintergrund nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten.

Wenn Sie drei Wünsche an die gute Fee hätten, welche wären diese?
  • Wunsch 1: Die freiberufliche Pflege wird als gleichwertige Sparte wahrgenommen (Abrechnung mit den Krankenkassen, Erwähnung in diversen öffentlichen Informationsmaterialien, Beteiligung  an Arbeitsgruppen, Beteiligung an Leitlinien etc.)
  • Wunsch 2: In der Bevölkerung und in Institutionen besteht höheres Bewusstsein für qualitätsvolle Pflege und Betreuung alter Menschen
  • Wunsch 3: Ich falle nicht zu tief aus dem Bett, wenn ich vom Traum mit der guten Fee aufwache ;-).
Was empfehlen Sie KollegInnen, die ebenfalls in die Freiberuflichkeit gehen wollen?

Das ÖGKV Seminar von Gabriele Wiederkehr, MSc um Bewusstsein und Sicherheit über das eigene Vorhaben zu bekommen. Engagement in nützlichen Netzwerken – hier kann man über sich und seine Ideen sprechen, erhält Inputs und knüpft Kontaktetecken.

Kontaktadresse:

  • Website: www.dema-meisterhofer.at
  • Mail: info@dema-meisterhofer.at
  • Tel: 0680/ 24 22 020
  • Adresse: Bahnstraße 17, 7082 Donnerskirchen

Sie sind ebenfalls als DGKP freiberuflich tätig und wollen sich und Ihre Leistungen hier präsentieren? Dann machen Sie das! Schicken Sie uns einfach ein formloses Mail – wir setzen uns mit Ihnen in Verbindung.