Selbst & Ständig freiberuflich pflegen – z. B. Elisabeth Hahn

Die Pflege ist endlich ins Zentrum der politischen Debatten gerückt. Da diskutieren Frau Klein und Herr Kurz, was immer das Thema hergibt – über Angebot und Nachfrage, über Kompetenzen und Gehälter, über Arbeitszeiten und -belastungen, über Wertschätzung und Qualität. Und noch immer herrscht landläufig die Meinung vor, Pflege sei eine Dienstleistung, die von Institutionen abhängig ist.

Aber: Wir können auch anders. In der folgenden Beitragsserie stellen wir zehn KollegInnen vor, die sich von diesem Irrtum „befreit“ und selbständig gemacht haben und ihren eigenen beruflichen Weg gehen. Weil nicht die Wirtschaft die Arbeit schafft, sondern die Menschen!

Elisabeth Hahn

Geboren 1972, diplomierte Elisabeth Hahn im Jahr 1991. Sie hat zwei Kinder und ist vollzeit selbständig.

Seit wann sind sie freiberuflich tätig und was hat sie dazu angeregt?

Ich bin seit mehreren Jahren freiberuflich tätig. Schon während der Karenzzeit mit meinen beiden Kindern habe ich diese Form der Tätigkeit genutzt, um am „Thema dran zu bleiben“ und natürlich auch, um etwas dazu zuverdienen.

Vor einigen Jahren musste ich gesundheitlich einige Zeit aus meiner Berufstätigkeit pausieren. In dieser Zeit entwickelte sich eine gedankliche Synergie zwischen meinem Anliegen pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige nicht ausschließlich zu versorgen sondern auch meine Beraterinnenfunktion aufzunehmen und der Möglichkeit eben diese Beratungsfähigkeit auf ein solides Fundament zu stellen. So absolvierte ich mein erstes Studium „Gesundheits- und Pflegeberatung“ und etablierte meine Selbstständigkeit

Welche konkreten Leistungen Beiten SIe für welche KundInnengruppen an?

Mittlerweile hat sich mein Leistungsspektrum auch auf die Consultingtätigkeit für Unternehmen im Gesundheitsbereich erweitert. So biete ich derzeit:

  • Beratung, Schulung, Information für pflegebedürftige Menschen und deren pflegende Angehörige
  • Gedächtnistraining im Einzelsetting oder in Gruppen (Denksport Reihe im Facultas Verlag)
  • Vorträge für diese Zielgruppe (z.B. im Gemeindesetting)
  • Seminare, Vorträge und Workshops für Unternehmen im Gesundheitsbereich
  • Consulting (pflegefachliche Expertise) für Unternehmen im Gesundheitsbereich oder themenverwandten Firmen
  • Projektmanagement
  • Leitung Tagesbetreuung im Gemeindesetting
  • Qualitätssicherung im Rahmen der Personenbetreuung
Und wie kommunizieren Sie das? Mit welchen Mitteln bewerben Sie Ihre Leistungen?

Ich betreibe eine Webseite (www.meinpflegegeld.at) sowie eine Firmen-Facebookseite. Ich lege Folder an relevanten Stellen auf. Ein wichtiges Marketingwerkzeug ist die „Mundpropaganda“ also die Weiterempfehlung aufgrund der zufriedenstellend erbrachten Leistung. Für die Bewerbung von Veranstaltungen nutze ich mehrere kostenfreie Angebote diese zu platzieren.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihrem Angebot?

Das Besondere an meinem Angebot ist meine Haltung Menschen gegenüber. Meine Arbeit ist hochprofessionell aber geleitet von einer menschenfreundlichen, (systemisch) verstehenden, wertschätzenden Ideologie.

Aufgrund meiner langjährigen vielschichtigen beruflichen Erfahrung, welche ich durch theoretisch fundierte Ausbildungen ergänze, bin ich in der Lage ein generalistisches Wissen anzubieten. Meine Umsetzungsstrategien sind immer geleitet von der Idee der Machbarkeit. Es nutzt die beste Theorie nicht, wenn es in der Praxis nicht umgesetzt werden kann.

Freundschaft unter MitbewerberInnen – geht das?

Ich würde es nicht zwingend als Freundschaft betrachten – diese kann sich jedoch entwickeln. Was ich jedenfalls als notwendig erachte ist ein gut funktionierendes Netzwerk. Netzwerkarbeit kann keine Einbahnstraße sein sondern muss als „Geben und Nehmen“ funktionieren.

Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass der „Pflegemarkt“ sehr viel Potential hat und auch quantitativ für „alle“ genug da ist. Ich finde es schade, wenn es nicht möglich ist partizipativ in einem offenen und wertschätzenden Miteinander ein gemeinschaftliches Netzwerk aufzubauen. Leider begegnet mir das Gegenteil immer wieder

Ihr Vorbild?

Ich habe kein persönliches Vorbild. Ich treffe immer wieder Menschen, deren Haltung, fachliche Kompetenz oder bestimmte Fähigkeiten mich nicht nur kurzfristig beeindrucken sondern zum Nachdenken anregen oder motivieren. Ich versuche einige dieser Faktoren in mein tägliches Handeln zu integrieren

Ihr größter Erfolg?

Privat sind mein größter Erfolg definitiv meine beiden, mittlerweile erwachsenen, Kinder.

Beruflich habe ich vor mehreren Jahren mit dem Thema „Pflegeberatung für pflegende Angehörige“ den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Damals war diese Dienstleistung kaum als solche bekannt und Einzelfirmen in Österreich mit diesem Angebot konnte man an einer Hand abzählen. Nebenbei absolviere ich mittlerweile mein zweites (Master)Studium.

Ihr schlimmster Fehler?

Ich lebe eine Fehlerkultur, die Fehler als Motivation versteht, andere Lösungswege zu kreieren. Nachdem mich  noch keine Entscheidung – den Fehler sind ja Entscheidungen, die offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg bringen – das Leben gekostet hat, steht der „schlimmste Fehler“ wohl noch aus.

Work-Life-Balance: Schaffen Sie das und wenn, wie?

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, sollte in seinem Businessplan auch die Erholung einplanen. Erfolg entsteht zwar durch harte Arbeit oder hartnäckiges Dranbleiben. Erfolg entsteht aber auch durch Glück oder „den richtigen Zeitpunkt erkennen“. Die Reflexionsfähigkeit bleibt nur erhalten, wenn Zeiten der Erholung eingeplant werden können. Ich überlege gut, für welche Ideen ich mich wieviel engagiere. Dies bezieht sich auf das geschäftliche wie auf das private Leben.

Sport ist definitiv ein Mittel, um meinen Körper zu unterstützen mit den Herausforderungen zurecht zu kommen. Kleine Oasen schaffen mir die notwendige Auszeit, um das Gefühl zu erhalten noch am Steuerrad meiner Tage zu stehen. Anstatt eines monumentalen Urlaubs von 3 Wochen zur Erholung von meinem Leben trachte ich danach mein Leben jeden Tag so zu gestalten, dass es gut lebbar ist. Zwischendurch verbringe ich immer wieder stressfreie Kurzurlaube.  Und manchmal muss man einfach „Fünfe gerade sein lassen“.

Was machen Sie in Ihrer Selbständigkeit nicht so besonders gern?

An meiner Tätigkeit mag ich grundsätzlich alles. Ich bin in der glücklichen Lage in den Bereichen arbeiten zu dürfen, die mir auch Freude bereiten. Im Backoffice Bereich mag ich die Buchhaltung eher weniger.

Wenn Sie drei Wünsche an die gute Fee hätten, welche wären diese?

Die Fähigkeit substantiellen und emotionalen Ballast rasch abwerfen zu können. Wale in freier Wildbahn beobachten zu können. Noch viele gesunde Jahre selbst und in Gemeinsamkeit mit meiner Familie verbringen zu können.

Was empfehlen Sie KollegInnen, die ebenfalls in die Freiberuflichkeit gehen wollen?
  • Jede Unterstützung anzunehmen, die sich anbietet.
  • Erfolgreiche KollegInnen anzusprechen und Fragen stellen.
  • Coaching oder Mentoring in Anspruch zu nehmen.
  • Hartnäckig zu bleiben. Bei sich zu bleiben. Nicht aufzugeben.
  • Sich nicht in existenzgefährdende Situationen zu manövrieren.
  • Nicht nur einen/eine Auftraggeber/-geberin zu haben.
  • Motiviertes Handeln auf eine solide theoretische Basis zu stellen.
  • Realistische Ziele zu stecken.

Kontaktadresse:

  • Website: www.meinpflegegeld.at
  • Mail: e.hahn@meinpflegegeld.at
  • Tel: 0660 34 97 97 3
  • Adresse: 1230 Wien, Brüder Albert Gasse 3/7

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