Weiterbildung Gerontologische Pflege gestartet

Diese Woche startete die erste Weiterbildung Gerontologische Pflege (nach § 64 GuKG) in Österreich. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt deutlich im Bereich der Gerontopsychiatrie, das Interesse der Organisationen ist enorm, die ersten Feedbacks überwältigend.

Christian Luksch, inhaltlicher Leiter des Lehrganges, Herausgeber dieser Website und „vieil horrible“ der Altenpflege freut sich zwar, bleibt aber trotzdem gelassen und plant schon den nächsten Coup.

Ein erlesenes Dutzend war es, das sich da am 28. und 29. April zum ersten Modul der §-64-Weiterbildung Gerontologische Pflege mit gerontopsychiatrischen Schwerpunkt im Seminarraum der IGSL traf: Von der Pflegeassistentin bis zur Pflegedienstleitung, vom grösstem konfessionellen Pflegeanbieter über ein kleines 40-Betten-Haus vom KAV-Spital bis hin zur Organisation einer Landesregierung spiegelte die Gruppe die derzeitige Altenpflege wieder

Sogar das Verhältnis von Männern und Frauen (2: 10) und von KollegInnen mit und ohne Migrationshintergrund (4:8) bei den Teilnehmenden aus Wien, Niederösterreich und Burgenland stimmte mit den derzeitigen Statistiken in der Altenpflege tätigen überein.

Das freut einen alten Zahlenfetischisten wie mich natürlich sehr„, so der Leiter der Weiterbildung, Christian Luksch, nicht ohne Selbstironie, „denn unsere Einschätzung über den derzeitig bestehenden Bedarf an psychiatrischen Kompetenzen in allen Bereichen der Altenpflege ist damit zu 100% zutreffend.

Gescheiter werden durch scheitern

Rund ein Jahr, so Luksch, habe er gemeinsam mit seiner Lebens- und Arbeitspartnerin Manuela Steinmetz und der IGSL (Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand) diesen Lehrgang konzipiert und vorbereitet. Dem voraus ging ein im Jahr 2018 gescheiterter Versuch, gerontopsychiatrische Pflege in den Häusern des Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser zu implementieren.

Entweder war es nicht der richtige Zeitpunkt oder ich nicht der richtige Mensch, der das in dieser Organisation umsetzen konnte“ weicht Luksch geschickt der Frage aus, woran es konkret scheiterte. Und fügt hinzu: „Gescheiter wird man ja nur, wenn man gescheitert ist – das gilt für Oganisationen genauso wie für einzelne Personen.“

Der 57jährige erfüllt sich damit aber auch einen schon lang gehegten persönlichen Traum: nämlich den Import der gerontopsychiatrischen Pflegefachkraft aus Deutschland, eine spezielle Qualifikation innerhalb der Pflege, die es dort seit 2002 gibt – in bayrischen Pflegeheimen sogar verpflichtend. Luksch und Steinmetz bildeten von 2004 bis 2012 im Raum Würzburg rund 120 gerontopsychiatrische Pflegekräfte aus.

In der taxativen Auflistung möglicher Weiterbildung nach dem § 64 GuKG gibt es in Österreich keine für Gerontopsychiatrie. Das fängt erst bei den Sonderausbildungen wieder an, interessant zu werden – aber welche Organisation kann es sich heutzutage leisten, auf eine DGKP ein volles Jahr zu verzichten?“ berichtet Luksch.

Das sei ziemlich ungut – gerade jetzt, wo auch die dreijährige psychiatrische Grundausbildung zugunsten der einheitlichen akademischen Ausbildung gefallen sei. Mit der Weiterbildung Gerontologische Pflege habe man nun aber eine Lösung gefunden. Und auch die Genehmigung bekommen, sie abzuhalten.

Enormes Interesse

Das Interesse jedenfalls sei enorm, so die Weiterbildungsmanagerin der IGSL, Mag Johanna König-Ertl. Keine zwei Wochen nach der Freigabe der Weiterbildung durch die Wiener MA 40, sei der erste Lehrgang bereits ausgebucht gewesen, auch ein zweiter, beginnend im Herbst und ausschliesslich für einen grossen kirchlichen Träger, stehe bereits, mit einem dritten grossen – öffentlichen – Träger stehe man kurz vor Vertragsabschluss.

Dennoch liege der Schwerpunkt weiterhin auf Qualität nicht auf Quantität. „Wir nehmen pro Lehrgang nur zwölf Teilnehmende auf und wählen die bei Bedarf auch aus.“ so Luksch. Die Unterrichtszeiten würden an die Arbeitszeiten der Teilnehmenden angepasst und man achte auf eine gute Durchmischung von Pflege(fach)assistentInnen und DGKP, sowie auf Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. „Kenntnisse der deutschen Sprache auf C1-Niveau sind Pflicht – darauf bestehe ich gerade als bekennender Linker!“ so Luksch.

Die Frage, ob man nicht fürchte, bald Nachahmer zu haben, die mehr finanzielle Mittel und damit auch weitreichendere Möglichkeiten hätten, den Weiterbildungsmarkt mit diesem Angebot zu bespielen, siehtLuksch gelassen: „Es kann der Altenpflege nichts besseres passieren, als von vielen PraktikerInnen der Gerontopsychiatrie viel Wissen zu erlangen. Aber der Kuchen ist noch lange nicht gebacken, nur weil man das Rezept schon gelesen hat.“

Der nächste Streich

Und man habe noch einiges in petto. Der nächste Coup werde eine Weiterbildung zum Theme Pflege von Menschen mit Behinderungen. Da gäbe es bislang lediglich 13 Pflegekräfte, die eine solche absolviert haben. Österreichweit. Was an Wahnsinn oder Fahrlässigkeit grenze.

Das Referenten-Team dazu stehe jedenfalls bereits fest und gruppiert sich um den Wiener Arzt Ramin Nikzad – ebenso wie Luksch eher keine gewöhnliche Persönlichkeit und in der Behindertenszene auch kein Unbekannter. „Der Bedarf an kompetenter Pflege im Bereich der Versorgung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen ist enorm„, so Dr. Nikzad, „genauso wie die Taubheit der Einrichtungsbetreiber! Wir werden beide Probleme behandeln. Erfolgreich!“

Man darf also weiterhin gespannt sein.


Wer sich für die §-64-Weiterbildung „Gerontologische Pflege mit Schwerpunkt Gerontopsychiatrie“ interessiert kann sich entweder an das Team von Geronto.at wenden oder auch direkt an die IGSL. Voranmeldungen für die nächsten Lehrgänge werden gerne jetzt schon angenommen, ebenso wie Buchungen für gesamte Weiterbildungslehrgänge.

Mehr Informationen zu Inhalt und Methodik dieser Weiterbildung finden Sie auch hier.