Selbst & Ständig – Freiberuflich pflegen!

Die Pflege ist zur Zeit in aller Munde. Und natürlich auch der Mangel an qualifizierten Pflegekräften. Rund 10.000 Pflegekräfte fehlen aktuell in Österreich, bis 2050 wird sich die Zahl vervierfachen, wie Caritas und Hilfswerk bereits im letzten September warnten.

Allein, die Botschaft ist noch nicht bis in die Chefetagen vorgedrungen. Nach wie vor wird in Stellenangeboten unter „Wir bieten“ angeführt, was ohnehin der gesetzlich definierte Mindeststandard ist. So, liebe PersonalistInnen, werdet ihr bald keinen Blumentopf mehr gewinnen. Denn: Wir können auch anders!

Grundsätzlich hat jede DGKP ihren Beruf nicht nur im Rahmen eines Dienstverhältnisses, sondern auch freiberuflich auszuüben. Dazu muss seit 1. Juli 2018 lediglich die Absicht einer freiberuflichen Ausübung im gehobenen Dienst für Gesundheits-und Krankenpflege entsprechend des GBRG der zuständigen Registrierungsbehörde gemeldet werden.

Insgesamt 1398 DGKP sind es österreichweit, die zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Beitrages im Gesundheitsberuferegister als voll- oder teilzeit freiberuflich tätig gemeldet sind. Und die Eintragungsfrist in das GBR läuft noch – es werden also sicher noch mehr.

Doch die Möglichkeit einer freiberuflichen Ausübung des Berufes scheint generell nicht so im Bewusstsein der meisten KollegInnen zu sein, wie es vielleicht wünschenswert wäre. Unterrichsthema ist das – ausserhalb des Berufsrechtes – eher selten und nach wie vor gilt die  landläufige Meinung, dass Pflege primär von Institutionen geleistet wird und nicht von Personen.

Dabei sind der selbständigen Berufsausübung kaum Grenzen gesetzt – fast alles was in einem Krankenhaus von DGKP ausgeübt wird, darf auch im Rahmen einer Freiberuflichkeit gemacht werden. Von der Gesundheitsvorsorge bis zum Entlassungsmanagement, von der persönlichen Betreuung bis zur Intensivpflege. Die markantesten Grenzen bietet hier lediglich die Vorstellungskraft – die eigene, die der möglichen Kunden und sehr oft auch die der Versicherungsträger.

Die berufsrechtlichen Voraussetzungen

Die Berufsausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege besteht in der eigenverantwortlichen Ausübung der im Berufsbild und Kompetenzbereich (§§ 12 GuKG ff) umschriebenen Tätigkeiten, unabhängig davon, ob diese Tätigkeiten freiberuflich oder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ausgeführt werden.

Und sie  ist auch im Wege der Arbeitskräfteüberlassung nach den Bestimmungen des Arbeitskräfteüberlassungsgesetzes zulässig, wenn der Auftraggeber sicherstellt, dass nicht mehr als 15 % des Pflegepersonals durch Arbeitskräfteüberlassung eingesetzet werden sowie die Pflegequalität und -kontinuität gewährleistet wird.

Weiters hat die freiberufliche Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege persönlich und unmittelbar zu erfolgen, allenfalls in Zusammenarbeit mit anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen. Zur Unterstützung bei der Ausübung dieser beruflichen Tätigkeiten können Angehörige der Pflegeassistenzberufe herangezogen werden.

Im Rahmen der freiberuflichen Berufsausübung haben Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege die zur Betreuung und Pflege übernommenen Menschen oder die zu ihrer gesetzlichen oder bevollmächtigten Vertretung befugten Personen insbesondere über 1.) die Pflegediagnose, 2.) den geplanten Ablauf der Betreuung und Pflege, 3.) die Kosten der Betreuung und Pflege und den beruflichen Versicherungsschutz zu informieren.

Im Rahmen der Aufklärung über die Kosten der Betreuung und Pflege ist auch darüber zu informieren, welche Betreuungskosten von dem entsprechenden inländischen Träger der Sozialversicherung, der Krankenfürsorge oder einem sonstigen Kostenträger voraussichtlich übernommen werden und welche von dem betroffenen Patienten oder Klienten zu tragen sind. Dabei ist sicherzustellen, dass in jedem Fall die der betreuten Person in Rechnung gestellten Kosten nach objektiven, nichtdiskriminierenden Kriterien berechnet werden.

Wirtschafts- und Steuerrechtliche Bedingungen

Gesundheits- und Krankenpflege ist kein Gewerbeberuf, daher ist auch kein Gewerbschein für dessen Ausübung notwendig. Auch wenn eine anerkannte Weiterbildung gemäß § 64 GUKG absolviert wurde zu einer komplementären Pflegemaßnahme, kann diese ohne Gewerbeschein im Rahmen der freiberuflichen GuKP angeboten werden.

Das Lösen eines Gewerbescheins, also eine Gewerbeberechtigung bei der Wirtschaftskammer ist dann erforderlich, wenn ein Gewerbe für Tätigkeitsfelder wie beispielsweise der Verkauf von Pflegeartikel, für Personalvermittlung, für Ernährungsberatung nach Traditionell Chinesischer Medizin oder dem Angebot kinesiologischer Methoden, Craniosacralbalance oder ähnlichem angestrebt wird.

Sobald eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen wird, besteht die Verpflichtung einer Meldung beim zuständigen Finanzamt. Hier erfolgt ein formloser Antrag. Das Finanzamt teilt eine Steuernummer zu. Bei Umsatzsteuerpflicht wird eine Umsatzidentifikationsnummer (UID) vergeben, welche auf der Rechnung angeführt werden muss.

Natürlich wird auch auf freiberufliche Einkünfte Einkommenssteuer erhoben. Es ist sinnvoll etwa 40% aus den Einkünften als Rücklage zu erhalten um nicht vom Einkommenssteuerbescheid überrascht zu werden. Tipp: Eine Unterstützung durch eine/n Steuerberater/in.

Die Anmeldung bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) hat innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Freiberuflichkeit zu erfolgen. Es wird zwischen Beitragsprozentsatz und  Beitragsgrundlage unterschieden. In der Krankenversicherung sind 7,65% und in der Pensionsversicherung 18,50% der Beitrags-grundlage zu zahlen.

Der Unfallversicherungsbeitrag ist gewinnunabhängig und beträgt derzeit 104,04 Euro/Jahr oder 8,67 Euro monatlich. Beitragsgrundlage sind die Einkünfte aus den Betriebseinnahmen abzüglich der Betriebsausgaben auf Basis des Einkommensteuerbescheides.

Die Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpflegepersonen ist für Umsätze aus Heilbehandlungen gemäß §6 Umsatzsteuergesetz (UstG) steuerfrei. Für die Rechnungsausstellung von Heilbehandlungen soll der Zusatz „unecht umsatzsteuerbefreit gemäß § 6 Abs. 1 Z 19 UStG“ angeführt werden.

Strategische Überlegungen

Sollten Sie sich nun bis hierher tapfer durchgelesen haben und die Freiberuflichkeit für Sie noch immer attraktiv sein, dann ist es ratsam zunächst ein paar grundsätzliche Überlegungen anzustellen: Mit welchem Angebot konkret wollen Sie auf den „freien Markt“? Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe? Wo werden Sie tätig? Aber auch: Welche finanziellen und sozialen Ressourcen stehen zur Verfügung?

Worüber sich alle Freiberufler einig sind: Sie brauchen zunächst neben einer guten Idee und einem starken Willen ein enormes Ausmaß an Selbstdisziplin und ein gerüttelt Maß an wirtschaftlichem Basiswissen sowie ein faires und verlässliches Netzwerk von bereits erfahrenen FreiberuflerInnen, die Ihnen mit ihrer Erfahrung weiterhelfen.

Vieles davon bietet die Bundes-Arbeitsgemeinschaft Freiberufliche Pflege des ÖGKV an. So finden zweimal jährlich Seminare zum Einstieg in die Selbständigkeit als DGKP statt, das nächste z. B. schon am 23. 5. 2019. (Infos und Anmeldungen hier). Weiters stehen Ihnen auch die  Mitglieder der Bundes-ArGe als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung – insofern Sie Mitglied im ÖGKV sind.

Letzteres zahlt sich in jedem Fall aus, denn eine Vertretung der Pflege in der Wirtschaftskammer gibt es bislang nicht. Daher ist gerade hier die Mitgliedschaft in unserer Berufsvertretung doppelt so wichtig.

Ein heisser Tipp ist auch, das vom Arbeitsmarktservice angebotene  Unternehmungsgründungsprogramm in Anspruch zu nehmen. Dabei handelt es sich um eine AMS-Maßnahme, in der Arbeitssuchende grundlegend auf eine berufliche Selbständigkeit vorbereitet werden.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten hat man dabei Zugang zu einer ganzen Reihe von Seminaren mit unterschiedlichen Themen, persönlicher Beratung und Coaching. Gemeinsam mit GründerInnen aus allen möglichen Berufen, was den Horizont mitunter sehr erweitern und wiederum für wichtige Netzwerke sorgen kann.

Ausblick

In den nächsten Wochen werden wir zehn DGKP vorstellen, die freiberuflich tätig sind und die Ihnen ihre wichtigsten Erfahrungen in Form von Interviews zur Verfügung stellen. Könnte ja sein, sie sind jetzt wirklich auf eine berufliche Selbständigkeit neugierig geworden. Wir würden uns freuen, Sie als „freie“ KollegIn in unserer Mitte begrüssen zu können – und sehr gerne auch in der BAG des ÖGKV!

Quellen und nützliche Links: