Selbstfürsorge – Die Pflastersteine auf dem Weg zur Hölle

Das sind bekannterweise die guten Vorsätze. Auch die fürs neue Jahr, das nun auch schon wieder drei Monate alt ist. Was wurde eigentlich aus Ihren? Z. B. heuer mehr auf Ihre Gesundheit zu achten? Oder mit dem Rauchen aufzuhören, Pausen einzuhalten, rückenschonender zu arbeiten, gelassener in Krisen zu reagieren, Aussagen von KollegInnen weniger persönlich nehmen oder freie Zeiten für sich selbst zu nutzen?

Vielleicht haben Sie sich auch vorgenommen sich heuer intensiv Ihrer beruflichen Weiterbildung oder persönlichen Entwicklung zu widmen. Und diesmal sind Sie auch so motiviert, dass Sie es schaffen werden. Denn so stressig, anstrengend und nervenstrapazierend wollten Sie doch kein weiteres Jahr in diesem Job verbringen….

Wie Sie wissen, braucht es zur Umsetzung Ihrer Vorhaben in die Praxis eine klare Zielsetzung und einen sogenannten Durchhalteplan. Je konkreter solche Pläne sind, umso geringer ist die Gefahr Vorsätze aus den Augen zu verlieren oder zu „schummeln“. Auch sollten Sie sich nicht vornehmen alles auf einmal ändern zu wollen, denn das kann zu Überforderung und somit zum schnellen Aufgeben führen.

Am Anfang steht das Ziel!

Wenn Sie ein Ziel oder einen Wunsch formulieren, machen Sie das klar und konkret. „Ich will ohne Stress arbeiten“ oder „ich möchte was für meine Gesundheit tun“, wäre zu unklar und sollte konkretisiert werden. Danach wählen Sie sinnvolle Maßnahmen aus, die schnell realisierbar sind, Spaß machen und an denen Sie den Erfolg auch sehen können.

Beim zweiten Schritt geht’s um die Realisierung. Sie planen wann Sie mit Ihrem Vorhaben beginnen werden, wann, wie oft und wie Sie etwas tun werden und bedenken auch Alternativen. Könnte ja sein, dass Ihre Kollegin einen plötzlichen Termin hat und Sie um Ihre Mittagspause kommen. Wie sorgen Sie dann für Ihre nötige Regeneration?

Vielleicht sind Sie mit der Kommunikation in Ihrem Team unzufrieden. Die anderen können Sie nicht verändern, aber Sie können sich vornehmen Ihre eigene „Sprache“ zu trainieren und somit mit gutem Beispiel voran gehen. Sie könnten z.B. damit beginnen beim Reden mehr den Beziehungsaspekt  zu beachten, indem Sie nichts mehr „nebenbei“ sagen sondern sich immer der anderen Person zuwenden und Blickkontakt aufnehmen. Die Reaktionen Ihres Gegenübers werden Sie überraschen und zu weiteren Schritten anspornen.

Alleine oder gemeinsam?

Jede/r weiß, wie schwer es ist, gute Vorsätze zu realisieren. Leicht tauchen Hindernisse auf, die viele Gründe liefern, einen Plan nicht einzuhalten oder zu ändern. Um zum Ziel zu gelangen, das Vorhaben zu realisieren oder die Situation erfolgreich und nachhaltig zu verändern, gibt es mehrere Möglichkeiten für Sie:

1. Sie gehen den Weg alleine.

Sie müssen zwar jetzt damit rechnen, dass Sie nun fast täglich mit Ihrer inneren Schweinehündin kämpfen werden, aber dieser nicht unbedingt hilflos ausgeliefert sind. Sie könnten Sie so behandeln, wie Sie Ihren echten Hund behandeln (würden): Für kleine bewältigte Schritte gibt’s kleine Belohnungen, für größere Schritte gibt’s große.

2. Sie gehen den Weg zu zweit.

Es kann hilfreich sein, jemand zu finden, der bei der Umsetzung allein durch Mitwissen unterstützt. Schon dadurch, dass ein guter Vorsatz mit einer vertrauten Person besprochen wird, kann die Motivation, durchzuhalten erhöht werden. Vielleicht lässt sich aber auch eine „Verbündete“ finden, die selbst ein Ziel verwirklichen will oder ebenso Lust hat, regelmäßig Pilates (oder ähnliches) zu machen.

3. Sie verfolgen Ihr Ziel in einer Kleingruppe.

Vielleicht kennen Sie Ihr Ziel ja bereits, haben es konkret formuliert und wünschen noch Unterstützung beim Durchhalten der einzelnen Schritte. Oder Sie möchten mit anderen (Pflegefach-) Frauen ihre Berufszufriedenheit erhöhen, mehr auf Ihre Gesundheit achten, sich weiterbilden aber dies nicht alleine tun.

Die Vorteile einer Gruppe sind vielfältig und in einer Atmosphäre gegenseitiger Unterstützung bleiben Erfolge nicht aus. So können Sie neue Kontakte herstellen, Standpunkte vergleichen, Erfahrungen der anderen nutzen, soziale Fähigkeiten üben oder sich einfach in einem angenehmen Umfeld austauschen, sich gegenseitig zu den Erfolgen der kleinen Schritte gratulieren, motivieren und Spaß haben.

So eine Gruppe können Sie auch selbst gründen. Es liegt an den Teilnehmerinnen selbst, der Gruppe Struktur zu geben, regelmäßige Treffen zu vereinbaren und das Miteinander lohnend zu gestalten.

4. Sie gehen den Weg mit professioneller Unterstützung.

Gleichgesinnte treffen sich in einer Kleingruppe und werden von einer Person, die die Moderation bzw. die Begleitung der Einzelnen zum Ziel übernimmt, unterstützt. Dies kann durch die Anwendung von Coaching-Methoden und bestimmten (Frage-) Techniken erfolgen.

Auftretende Probleme, die der ganz normale Alltag so bietet, werden besprochen und können so zu einer individuellen praxisorientierten Lösung geführt werden. Vielleicht wird dabei Ihre Neugierde auf Neues geweckt und Sie denken daran an Ihrer beruflichen Qualifikation zu arbeiten oder sich Ihren eigenen alternsgerechten Arbeitsplatz zu schaffen und zu sichern.

Neuer Tag – Neue Chance

Jeder Tag ist eine neue Chance, Ziele neu zu entwickeln und gute Vorsätze umzusetzen. Wenn eigene Einstellungen möglichen Erfolgen im Wege stehen und kritisch überprüft werden sollten, kann eine Planung hilfreich sein.

Genauso kann sich neue Motivation, wenn die Lust für einen Vorsatz oder ein Ziel nachlässt, in einer Gruppe finden. Statt zu resignieren, ist ein Innehalten und Überprüfen immer schon der erste Schritt für Veränderung mit neuen Zielen und Maßnahmen.

Wer einmal begonnen hat, sich selbst bewusster wahrzunehmen, wird Selbstfürsorge nie wieder ganz aus seinen Lebensstrategien verbannen können. Zumindest werden sich regelmäßig Anlässe finden, die signalisieren, dass jetzt der erste Schritt für einen Neuanfang, ein neues Ziel notwendig geworden ist.

Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers, nehmen Sie die eigenen Bedürfnisse wahr, akzeptieren Sie Ihre körperlichen und mentalen Grenzen und lernen Sie Ihre Potenziale zu sehen und zu entwickeln.

Noch etwas: Ein Wort wie „aufgeben“ ist im Sinne der Selbstfürsorge inakzeptabel, es wird nur immer wieder einmal erforderlich sein, Ziele, Pläne und Maßnahmen zu überdenken, anzupassen – um neu starten zu können. Alleine oder mit Gleichgesinnten, ganz wie Sie wollen!

Ich wünsche Ihnen fürs Jahr 2019 Freude und Phantasie, Hoffnung und Halt. Einen Engel an Ihrer Seite, der Sie begleitet und bewahrt und, wenn nötig, auch mal in die richtige Richtung schubst. Und vergessen Sie nicht: Die Pflegelandschaft bietet viele Möglichkeiten – für jede/n!

Autorin: DGKS Manuela Steinmetz, Dipl. Coachin und Erwachsenenbildnerin