Motivierende und supportive Gespräche

Sieht man vom vordergründig zwar belanglosen, im konkreten Alltag aber durchaus wichtigen SmallTalk einmal ab, so nehmen 80% der Kommunikation mit BewohnerInnen, KlientInnen und PatientInnen motivierende und stützende Gespräche ein.

Während die einen bestehende Ressourcen sichern und neue fördern sollen, dienen die anderen dazu, den Betroffenen langfristig zu helfen, Situationen zu  zu akzeptieren, die nicht mehr zu ändern sind. Umso sorgfältiger müssen beide Gesprächsformen geführt werden.

Das motivierende Gespräch

Motivierende Gesprächsführung ist ein klientInnenzentrierter aber direktiver Beratungsstil mit dem Ziel, eine intrinsische Motivation zur Verhaltensänderung bei dem/der Klienten/ in durch Explorieren und Auflösen von Ambivalenzen aufzubauen. Intrinsische Motivation besagt, dass der Anreiz für ein Verhalten in der Person selbst liegt. Das Verhalten wird demnach auch dann begonnen und aufrechterhalten, wenn mit ihm keine externen Anreize einhergehen.

Dabei geht es in erster Linie darum, die KlientInnen/BewohnerInnen dahin zu bringen, dass diese durch Reflexion ihres eigenen Verhaltens und durch Beleuchtung aller Pro- und Contra- Standpunkte zunächst Klarheit zu schaffen. Dies soll den Betroffenen dabei helfen, in einem nächsten Schritt ihre Ambivalenz bezüglich ihres Verhaltens und dessen Veränderung zu überwinden.

Wesentlich ist dabei, dass die Betroffenen alle Argumente selbst liefern, anstatt von Außenstehenden zu einer Verhaltensänderung überredet oder gar genötigt zu werden. In einer zweiten Phase werden dann konkrete Ziele und Wege zur Zielerreichung herausgearbeitet. Die fünf grundlegenden Prinzipien dazu sind:

  1. Empathie zeigen, indem die Situation aus der Sicht der Betroffenen betrachtet und verstanden wird („Ich verstehe, dass Sie gerne eine Zigarette rauchen, wenn Sie am Abend nicht einschlafen können“)
  2. Diskrepanz erzeugen, indem den Betroffen deutlich wird, dass ihr Verhalten im Widerspruch zu wichtigen Zielen für ihre Zukunft steht („Aber im Bett rauchen – das kann ganz schön gefährlich werden!“)
  3. Selbstwirksamkeit stärken, indem die Betroffenen in der Annahme bestärkt werden, selbständig Veränderungen erreichen zu können („Was glauben Sie, dass wir da machen könnten?“)
  4. Flexibler Umgang mit Widerstand, indem Lösungswege unterstützt und angeboten, anstatt Widerstände wegdiskutiert werden. („Wenn Sie rauchen wollen, gehen Sie doch einfach ins Raucherzimmer!“)
  5. Positive Verstärkung aller Ansätze der Betroffenen um eine Änderung des Verhaltens im Sinne des Therapiezieles zu entwickeln. („Ich finde das toll, dass Sie jetzt in ihrem Zimmer weniger rauchen!)

Unerwünschtes Verhalten oder fehlgeschlagene Änderungsversuche sollten dagegen niemals negativ verstärkt werden (z. B. durch Tadel), da negative Verstärkungen selten zu einer nachhaltigen positiven Veränderung führen, sondern so gut wie immer zu Verleugnung oder Trotzreaktionen, nicht selten sogar zu Aggressionen.

Das supportive Gespräch

Das unterstützende, tröstende, aber auch klärende Gespräch zwischen Helfenden und Hilfesuchenden wird oft „supportive Psychotherapie“ genannt, gilt jedoch nicht als eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren, obwohl es gerade in der Altenarbeit den grössten Teil der kommunikativen Zuwendung ausmacht.

Dies liegt u. a. auch an dem Widerspruch zwischen dem Ansinnen, ein bestimmtes pathologisches Verhalten verändern zu wollen und dem Fakt, dass manche psychische Zustände im Moment eben einfach nicht zu verändern sind und daher sowohl von den Betroffenen, wie auch von den Helfenden akzeptiert werden müssen.

Sehr oft werden daher supportive Gespräche von Pflegekräften oder von SeelsorgerInnen geführt und tatsächlich diesen auch (mehr oder weniger implizit) überlassen. Und zwar gerade in jenen Situationen, die in ihrer (scheinbaren) Ausweglosigkeit nicht nur die Betroffenen sondern auch viele professionelle Helfenden überfordern.

Supportive Gespräche haben vorrangig keine Änderung der Ursachen, die zu dem aktuellen psychischen Zustand führten, sondern „nur“ die Unterstützung des Betroffenen im „Aushalten“ dieses Zustandes. Das heißt aber, dass auch die Helfenden selbst diese Ambivalenz zwischen Helfen-wollen und Nicht-helfen-können aushalten müssen.

Hier sind einmal mehr die Kriterien der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers (Akzeptanz, Empathie, Authentizität) gefragt. Weitere wesentlichen Elemente sind:

  • Vertrauensbildung durch real präsenten HelferInnen,
  • tragfähige, symmetrische HelferIn-PatienIn-Beziehung,
  • Informationsvermittlung mit dem Ziel des Selbstmanagements
  • Ermöglichung neuer Erfahrungen durch Arbeiten im Hier und Jetzt
  • Aktivierung der Ressourcen des Patienten
  • Entlastung von Schuld- und Schamgefühlen
  • positive Umdeutung der Symptome in Stärken
  • positive Rückmeldung, Ermutigung und Optimismus

Zum Einsatz kommt die supportive Gesprächsführung in so gut wie allen Situationen, die den Betroffenen scheinbar keinen Ausweg lassen. Dies können zum einen depressive Stimmungen zum anderen auch Angstzustände sein, massive Verlusterlebnisse wie jene von nahen Angehörigen, der eigenen Wohnung oder der Selbständigkeit. Manchmal sind es aber auch Dinge, die uns selbst gar nicht als so großartige Belastungen erscheinen, den Betroffenen aber sehr wohl.

Wichtig ist hier das Erleben des Gegenübers nicht per se in Frage zu stellen oder gar abzuschwächen. Schmerz – auch seelischer – ist immer das, was der/die PatientIn sagt, nicht, was wir selbst meinen. Auch gut gemeinte Beschwichtigungen („Das wird schon wieder“) oder der Hinweis auf die Situation anderer ist nur wenig hilfreich.

Im nächsten Teil: Konfliktgespräche

Bisher erschienen:

Das Seminar zum Thema Kommunikation gibts hier.