Das Gesundheitsberuferegisterdingsbums

Mit 1. 7. 2018 gilt für alle Angehörigen der gehobenen medizinisch- technischen Dienste sowie für alle Angehörigen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe die Eintragung in das Gesundheitsberuferegister als Voraussetzung für die Berufsausübung.

Da dergleichen nicht über Nacht geschieht, wurde eine Übergangsfrist bis 30. 6. 2019 gewährt In diesem Zeitraum sollten sich alle davon Betroffenen eingetragen haben. Ein überaus ambitioniertes Ziel – bedenkt man deren Menge. Nun – vier Monate vor der Deadline – geht jetzt ein Erinnerungsschreiben durch die Fach- und sozialen Medien.

Insgesamt 93.336 nicht-ärztliche Gesundheitsberufe verzeichnete  Statistik Austria für 2017 alleine in den Krankenanstalten. Das ist kein Pappenstiel und die zu zählen allein eine Herkulesaufgabe. Sie dazu zu bewegen, sich – auch verpflichtend – registrieren zu lassen, grenzt allerdings schon an die Hoffnung, es möge Hirn regnen.

Naja, man kann’s ja probieren. Immerhin sagte die Arbeiterkammer ihre tätige Hilfe zu – die einzige offizielle Organisation, die auf eine breite Faktenlage von ausgebildeten und in Arbeitsverhältnissen stehenden GesundheitsarbeiterInnen zugreifen kann – allerdings nicht auf derzeit arbeitsuchende und freiberufliche Pflegekräfte.

Jedenfalls lief das Unternehmen gut an – bereits Ende Juli 2018 lagen mehr als 10.000 Registrierungsanträge an und zu diesem Zeitpunkt war die Registriermaschine der Arbeiterkammer, die vor allen in den grossen Betrieben Sammelregistrierungen durchführen wollte, noch gar nicht so richtig angelaufen.

Herr Ober, bitte Zahlen!

Über den derzeitigen Stand herrscht (einstweilen noch) Stillschweigen seitens der mit der Durchführung des Projektes beauftragten GÖG (Gesundheit Österreich GmBH – vormals ÖBIG). Allerdings kann man diesen ja schon mal  im Gesundheitsberuferegister abrufen. Und dabei interessante Zahlen erfahren:

So sind zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Beitrages nicht weniger als 53.683 DGKP in einem Angestelltenverhältnis, 1089 freiberufliche DGKP und 2375 DGKP, welche ihre Art der Tätigkeit als „Sonstiges“ – was immer dies auch sein mag –  angegeben haben, verzeichnet. Bei den PflegeassistentInnen sind 24.611 in einem Angestelltenverhältnis, 1834 „Sonstige“ und – berufsrechtlich sehr interessant! – 10 sogar als FreiberuflerInnen registriert. PflegefachassistentInnen kommen mit 216 im Angestelltenverhältnis und 68 als „Sonstiges“ vor.

Insgesamt reden wir also von 83.900 Menschen, die derzeit einen Pflegeberuf in irgendeiner Art ausüben, 78.526 davon in einem Angestelltenverhältnis. Und die bislang der Pflicht zur Registrierung nachgekommen sind. Denn dass dies offensichtlich noch nicht alles gewesen sein dürfte, darauf weist die Erinnerung an die Deadline der Registrierung von AK und GÖG eindeutig hin.

Der Sinn des Strebens

Wir von geronto.at erinnern natürlich auch daran und nicht nur weil wir grundsätzlich gesetzestreue Menschen sind. Allein – wir erlauben uns auch nach dem Sinn der Erbsen- sorry – Menschenzählerei zu fragen: Was bringt diese Registrierung von Pflegekräften eigentlich wirklich ausser ein paar Datenfriedhöfe mehr? Wem nützt sie?

Die Vorteile einer solchen Registrierung liegen laut GÖG vor allem in

  1. der Erreichung eines Europäischen Standards,
  2. der Erleichterung der nationalen und internationalen Mobilität,
  3. der Bedarfsplanung und dem Erkennen von Versorgungslücken,
  4. dem Bekanntwerden, welche und wie viele Angehörige der Pflegeberufe ihren Beruf in Österreich ausüben,
  5. der Erleichterung von Aufsicht und Kontrolle durch die zuständigen Behörden sowie die Gesundheitsplanung,
  6. der Vereinfachung des Vorlegens von Zeugnissen und Nachweisen bei einem Wechsel des Arbeitgebers und
  7. den Erhalt eines Berufsausweis, mit dem die Berechtigung zur Berufsausübung jederzeit nachgewiesen werden kann.

Schön und gut. Freut uns und machen wir gerne mit, weil das ja, laut GÖG auch zur Aufwertung des Berufes beiträgt (hoffentlich aber nicht die einzige dahin gehende Maßnahme ist.) Während uns die Punkte 1 und 2 im Sinne einer internationalen und die Punkte 3 bis 5 im Sinne einer nationalen Effizienz auch recht klar sind (uns aber auch die damit verbundenen Risiken bewusst sind), so orten wir doch schon jetzt ein Verbesserungspotential im Verhältnis der Punkte 6 und 7 zueinander.

Und der Unsinn des gleichen

Denn bei vielen Arbeitgebern hat sich der Umstand, dass es einen Berufsausweis gibt, der den Betroffenen eine Menge Laufereien und Amtswege erspart, offensichtlich noch nicht sehr herumgesprochen. InhaberInnen eines solchen haben nämlich bereits – ganz im Sinne dieses Gesetzes folgende Beweise bereits erbracht:

  • ihre Identität
  • ihre Staatsangehörigkeit
  • ihren Hauptwohnsitz bzw. „gewöhnlichen Aufenthalt“
  • ihren Qualifikationsnachweis
  • ihre Vertrauenswürdigkeit
  • ihre gesundheitliche Eignung
  • und (erforderlichenfalls) einen Nachweis über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache

Das heisst, liebe ArbeitgeberInnen: Es ist nicht zwingend erforderlich, von MitarbeiterInnen, die im Besitz eines solchen Berufsausweises sind, sämtliche denkbare Papierln – vom Freischwimmerausweis bis zum Taufschein der Wetti-Tant – einzufordern. Der Berufsausweis alleine genügt lege juris bereits! Bitte sehr um Kenntnisnahme!

Dies sei hier auch deswegen angemerkt, weil wir selbst – als externe TrainerIn – heuer bereits zwei mal in der Situation waren, dass wir für ein Seminar in der Dauer von nur einen Tag (!) Strafregisterausweis und ärztliches Gesundheitsattest vorlegen sollten weil der Berufsausweis dem Auftraggeber nicht genügte. Oida?!

Trotzdem: Sichtbar werden!

Allen KollegInnen die sich noch nicht registriert haben – insbesondere jenen im Pflegeheim zum Sonnenschein hinter den sieben Bergen, das bislang noch keinen Betriebsrat implementiert hat, der dies veranlasst hätte – empfehlen wir, die Registrierung möglichst bald durchzuführen. Weil die Welt jenseits des nächsten Hügels erst anfängt, nicht aufhört.

Und bitte: Die Kriterien darin vollständig ausfüllen – und zwar auch jene, die keine „Pflichtfelder“ sind. Es kann doch nicht wirklich sein, dass österreichweit lediglich 13 DGKP eine §-64-Weiterbildung in der Pflege von behinderten Menschen, nur 17 eine in Übergangspflege und kein/e einzige/r eine solche in Gerontologischer Pflege hat!

In diesem Sinne: Geht euch registrieren! (Über die offene Baustelle der Berufsregistrierung bei freiberuflichen Pflegekräften und die damit verbundenen Absurditäten folgt noch ein Beitrag. Demnächst. Hier.)


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