Kommunikation – Die Grundlagen der Gesprächsführung, 1. Teil

In den bisherigen Beiträgen unserer Serie haben wir uns vorwiegend theoretisch mit Kommunikation beschäftigt, nun wollen wir tiefer in die Praxis eintauchen und uns etwas eingehender mit Gesprächsführung auseinandersetzen. Bevor wir aber direkt zur dezidiert pflegerischen Gesprächsführung kommen noch einige allgemeine Grundlagen dazu.

Denn reden können viele. Etwas zu sagen haben aber nicht alle. Und das liegt oft nicht so sehr an unserer sozialen Stellung, als daran, ob wir tatsächlich ein Botschaft mit zuteilen haben. Oder halt nur irgendwas daher plappern. Was im pflegerisch-therapeutischen Zusammenhang natürlich oftmals gar nicht geht.

Jedes therapeutische Gespräch (zu dem auch die pflegerischen Gespräche zu zählen sind) hat mehrere Funktionen, die manchmal auch gleichzeitig ablaufen können:

Diagnostische Funktion: Hierbei geht es im wesentlichen um das Sammeln von Informationen. Wesentlich sind gezielte Fragen und möglichst unvoreingenommene Aufnahme der Informationen. Fehler ergeben sich meist durch Vorurteile, Erwartungen und persönliche Einstellungen, durch welche die Information gefärbt wird.

Motivationale Funktion Hier steht die Aufrechterhaltung sowohl der Kommunikation als auch der Kooperation im Vordergrund. Wesentlich sind dabei Zuhören und emotionale Anteilnahme. Ebenso spielen hier Faktoren wie Empathie, Authentizität und Rückmeldungen über das Verstandene eine erhebliche Rolle.

Supportive Funktion Dabei steht die Verhaltensänderung beim Gesprächspartner im Vordergrund. Hier sind wesentlich gezielte Fragen, eine für den Betroffenen akzeptable Argumentation und Vertrauen. Wir unterscheiden dabei einen unterstützenden (= supportiven) und einen anleitenden (= edukativen) Aspekt.

Allgemeine Bedingungen

Die äußere Erscheinung des/ der Gesprächsführenden sollte so neutral wie möglich sein – erwartet wird Aufgeschlossenheit, nicht jedoch übertriebene Selbstdarstellung.

Die Gesprächsdistanz beträgt idealer weise 1 – 1,5 m. Dies entspricht ungefähr dem Raum, den zwei Menschen mit ausgestreckten Armen, z. B. beim Geben und Nehmen, ohne Bewegung des gesamten Körpers überbrücken.

Diese Distanz lässt es zu, sich in einer Lautstärke zu unterhalten kann, die auch für sog. heikle Themen angemessen erscheint. Überschreitet man sie, verliert die Situation an Intimität, der/ die GesprächspartnerIn ist „zu weit weg“ als dass man ihm/ ihr auch mit leiser Stimme etwas anvertrauen könnte.

Ein Unterschreiten dieser Distanz wird unter Menschen, die nicht in einem sehr nahen verwandtschaftlichen oder bekanntschaftlichen Verhältnis zueinander stehen, als Einbruch in den „persönlichen Raum“ verstanden. Der/ die andere weicht im aus; im Wiederholungsfall wird der/ die GesprächspartnerIn nervös oder aggressiv.

Der/ dem KlientIn sollten gewisse sicherheitsspendende Objekte zur Verfügung stehen, insb., wenn der/ die Gesprächsführende Notizen macht. D. h. , auch der/ die KlientIn sollte an einem Tisch sitzen, ev. Papier und Stift, ein Getränk, usw. zur Verfügung haben. Das verringert die psychische Distanz, ermöglicht ein Mehr an Öffnung und eine Begegnung von Person zu Person.

Kriterien klientenzentrierter Kommunikation

Carl Rogers (1902 – 1987), der Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie definierte drei Prinzipien ohne deren Einhaltung therapeutische Gespräche nicht zielführend sind. Sie gelten als ein unbedingtes Muss – auch in der pflegerischen Kommunikation:

  1. Bedingungslose Akzeptanz: Wir binden unsere Bereitschaft mit  PatientInnen/ KlientInnen/ BewohnerInnen wwertschätzend zu kommunizieren an keine Bedingungen
  2. Einfühlendes Verstehen: Wir versuchen uns in die spezifische Situation und das damit verbunden Erleben der PatientInnen/ KlientInnen/ BewohnerInnen einzufühlen und deren Gefühle und Motive von ihrem eigenen Bezugssystem her zu verstehen:
  3. Authentizität und Kongruenz: Wir sind uns dessen, was wir selbst empfinden oder erleben bewusst. Unsere Gefühle und Erfahrungen sind jedoch nicht nur uns selbst zugänglich, sondern werden  in angemessener Form auch in die Beziehung zu den KlientInnen/ PatientInnen/ BewohnerInnen eingebracht
Grundlegende Gesprächsformen

Prinzipiell kommen alle grundlegenden Gesprächsformen im Kontext der Pflege oder Therapie vor. Im wesentlichen sind das:

A) Der Monolog (Handlungsdirektive)

Dieser begegnet uns in therapeutischen Settings zumeist in Form von Handlungsdirektiven – konkrete Anweisungen, wie etwas, z. B. ein bestimmtes Training durchzuführen ist.

  • Jede Art militärischer Befehlston muss dabei streng vermieden werden, prinzipiell beginnt jede Handlungsdirektive mit einem höflichen „Bitte“.
  • Die Handlungsdirektive selbst ist möglichst präzise, klar und unmissverständlich zu formulieren, ihre Sinnhaftigkeit ist dem Gegenüber nachvollziehbar zu machen.
  • Korrekt ausgeführte Direktiven werden stets positiv verstärkt („Gut gemacht!“ „Danke!“), unkorrekt ausgeführte jedoch nicht negativ verstärkt, sondern neu gesetzt und erklärt, warum dies geschieht
B) Der Dialog (Zwiegespräch)

Dies ist die am häufigsten vorkommende Gesprächsform. Prinzipiell werden hier allerdings informelle Gespräche („Smalltalk“) von formellen Gesprächen (diagnostische,  biographische, motivierende, supportive und validierende Gespräche) unterschieden.

  • Beginnen Sie das Gespräch explizit und erklären Sie den Grund, warum Sie jetzt dieses Gespräch führen wollen.
  • Sorgen Sie für eine ruhige, entspannte Atmosphäre und unterbinden Sie Unterbrechungen des Gespräches von außen,.
  • Achten Sie darauf, dass Sie mit ihrem Gegenüber sprechen, nicht an ihm vorbei. Dies heißt Zeit nehmen und Zeit lassen, aber auch deutlich und verständlich (= Verzicht auf „Fachchinesisch“) zu kommunizieren
  • Beantworten Sie Fragen so, dass Ihr Gegenüber die Antworten verstehen und akzeptieren kann, und stellen Sie Ihre eigenen Fragen so, dass dadurch keine Verhörsituation entsteht
  • Schließlich beenden Sie Gespräch explizit und höflich
C) Der Polylog (Gruppengespräche)

Das kommt meist als therapeutisches Gruppensetting, etwa bei der Morgenrunde oder bei Besprechungen mit BewohnerInnen, sowie im Rahmen von Angehörigengesprächen vor. Die Gesprächsführung wird hier auch Moderation genannt.

  • Beginnen (und enden) Sie pünktlich und erklären Sie den Zweck des Gesprächs
  • Stellen Sie alle Beteiligten vor (insbesondere wenn es Neuerungen in der Zusammensetzung) gibt und fragen sie nach ihrer Befindlichkeit
  • Achten Sie darauf, dass nur jeweils ein Gruppenmitglied spricht, beachten Sie Monologe Dialoge und auch Schweigen, begrenzen Sie diese Dinge aber auch
  • Generell sollte alles besprochen werden können, außer Beurteilungen von Nicht-Anwesenden und Dinge die andere Anwesenden verletzen
  • Unterstützen Sie Gruppenmitglieder, mit Rückzugstendenz, divergierenden Meinungen oder schlechter Stellung in der Gruppe.

Im nächsten Teil wenden wir uns den äusseren Bedingungen für eine gelingend (pflegerische) Gesprächsführung zu und nehmen uns den Gesprächsablauf etwas genauer unter die Lupe.

Bisher erschienen:

Das Seminar zum Thema gibts hier.