Eine nicht normale Weiterbildung

Wir leben in seltsamen Zeiten: Zum einen steigen die psychiatrischen Erkrankungen im Alter immer mehr an und zum anderen werden die psychiatrischen Langzeitpflege-Einrichtungen immer weniger. Die Folge davon: Immer mehr Menschen mit psychiatrischen Problemen werden in Altenheimen aufgenommen – eine  Herausforderung, der trotz hoher Motivation nur wenige MitarbeiterInnen gewachsen sind.

Nun fiel mit der letzten Novelle des GuKG auch die psychiatrische Grundausbildung. War es bislang schon eine Seltenheit, psychiatrische DGKP für Altenpflegeeinrichtungen zu rekrutieren, ist das jetzt nahezu unmöglich und erschwert eine Lösung der hier angeführten Probleme von  Altenpflegeeinrichtungen. Dies verlangt nach neuen Strategien – auch und gerade auf der Ebene der qualitativen Personalentwicklung.

Teilnehmende einer gerontopsychiatrischen Weiterbildung beim Probleme lösen…

In Deutschland, das bereits vor 20 Jahren vor einem ähnlichen Problem stand, wird seit 2001 eine Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Pflegefachkraft angeboten. In Österreich bislang nicht. Im Fokus der letzten Jahre stand hierzulande die Akademisierung der Pflege. Was an Weiterbildungen nötig schien, dachte man mit einer taxonomierten Liste (siehe GuKG-Weiterbildungsverordnung) geregelt zu haben, die von Ayurveda bis Wundmanagement alles abzudecken versprach.

Tatsächlich gibt diese verbindliche Liste nicht wirklich viel her für die hier diskutierte Problematik. Denn lediglich für PflegeassistentInnen wird eine Weiterbildung „Pflege bei psychiatrischen Erkrankungen“ angeboten. DGKP müssen sich mit „Forensik“, „Jugendpsychiatrie“ oder „Pflege bei Abhängigkeitssyndromen“ zufrieden geben. Oder sie entscheiden sich für die einjährige Vollzeit-Sonderausbildung.

Die sowohl für DGKP als auch PflegeassistentInnen angebotene Weiterbildung „Pflege für Demenz“ dient indessen nicht selten als Lückenbüsser. Mit hohem Enttäuschungsfaktor – denn Demenz ist eben nur eine von rund  100 psychiatrischen Erkrankungen (siehe ICD) und gerade mal die Spitze des gerontopsychiatrischen Eisberges.

Die Weiterbildung

Das ändert sich allerdings jetzt. Gemeinsam mit Geronto.at bietet die IGSL Wien – eine der führenden Weiterbildungsgesellschaften in der Palliative Care – eine Weiterbildung nach § 64 GuKG „Gerontologische Pflege“ mit dem inhaltichen Schwerpunkt Gerontopsychiatrie an. Als erster Anbieter in Österreich überhaupt. Start ist der 29. April 2019.

Zielgruppen sind sowohl DGKP als auch PflegeassistentInnen (bei diesen gilt der § 104 GuKG), die ihre Kompetenzen um sämtliche Angelegenheiten der Alterspsychiatrie erweitern wollen und effiziente Strategien zur Pflege und Betreuung von alt gewordenen Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen (oder Menschen, die erst im Alter eine solche erwarben) kennen und anwenden lernen wollen.

160 Unterrichtseinheiten Theorie in zehn Modulen a zwei Tage sind dafür vorgesehen. Pflichtteil der Ausbildung ist auch eine schriftliche Arbeit über ein im eigenen Tätigkeitsfeld umgesetztes Lernprojekt, das gleichzeitig auch die Basis für die Abschlussprüfung (März 2020) in Form eines kollegialen Fachgespräches bildet.

Die AbsolventInnen erhalten ein anerkanntes Zertifikat, dass sie auch berechtigt in ihrer Berufsbezeichnung den Zusatz „Fachkraft für gerontologische Pflege“ zu führen. Als hochgradige SpezialistInnen haben sie die Kompetenzen, ihre Einrichtungen auch im Bereich der psychiatrischen Pflege zu explizit hoher Qualität zu verhelfen.

Die Inhalte:
  • Eine eingehende Einführung in Gerontologie, allgemeine Geriatrie und geriatrische Psychosomatik
  • Psychopathologie und psychiatrische (Pflege-)Diagnostik – inklusive Assessmentverfahren und Biographie
  • Psychiatrische Erkrankungen (von Schizophrenie, Angst-, Zwangs- und Suchterkrankungen über Depression und Suizidialität bis hin zur Demenz) sowie deren Behandlung (inkl. Psychopharmakologie)
  • Kommunikation und psychiatrische Gesprächsführung (inklusive Konfliktlösungs- und Deeskalationsstrategien)
  • Spezielle gerontopsychiatrische Pflege und Betreuung (Methoden, Techniken, Konzepte und Pflegeprozess) sowie Angehörigenarbeit
  • Psychohygiene und Selbstfürsorge sowie interdisziplinäre Teamarbeit im organisationsinternen und -übergreifenden Bereich
  • Und (als Wahlpflichtfach): Aktivierende Beschäftigung von psychisch kranken alten Menschen oder Gerontopsychiatrische Pflegeberatung
Die ReferentInnen
  • Dr. Peter Vitecek, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut, ehemaliger Oberarzt am Otto Wagner Spital Wien
  • Dr. Reinhard Kalchmayr, Facharzt für Neurologie und Psychotherapeut, ehemaliger ärztlicher Leiter des KWP
  • Dr. Gudrun Kalchmayr, Klinische und Gesundheitspsychologin Psychotherapeutin und Supervisorin
  • Mag. Claudia Benedikt, Klinische und Gesundheitspsychologin mit Schwerpunkt Gerontopsychologie
  • DGKP Christian Luksch, Trainer, Projekt- und Qualitätsmanager
  • DGKP Manuela Steinmetz, zert. Erwachsenenbildnerin und Coach
  • DGKP Alexandra Troch, zertifizierte Aktivierungstrainerin und Coach
Die Methodik

Aber nicht nur inhaltlich ist die Weiterbildung ein Novum hierzulande,  auch der methodische Anspruch bringt Neues, Ungewohntes und Hocheffizientes. „Nur etwa die Hälfte des gesamten Unterrichts wird in bekannter Weise (Vorträge und Gruppenarbeiten) erfolgen“, verspricht Christian Luksch, der Leiter der Weiterbildung, „die andere Hälfte wird in selbstorganisierten Peergroups, aber auch mit Outdoor- und Action-Trainings, Exkursionen und in Form von e-Learing vermittelt.“

Für die aus der modernen Erwachsenenpädagogik stammenden Methoden zeichnet Manuela Steinmetz verantwortlich. Gemeinsam mit Luksch hat sie bereits in Deutschland über acht Jahre lang mehr als 100 gerontopsychiatrische Pflegekräfte ausgebildet. Steinmetz und Luksch erfüllen sich mit dieser Weiterbildung aber auch einen bereits lang gehegten Wunsch, nämlich den (längst notwendigen) Import der Gerontopsychiatrischen Pflegefachkraft aus Deutschland.

Und auch Peter Kreuter, Geschäftsführer der IGSL ist überzeugt: „Wir schliessen damit eine schmerzhafte Lücke in der österreichischen Pflegelandschaft“. Für die IGSL selbst, die bislang vor allem in der Palliative Care tonangebend war, sei dies kein Widerspruch, so Kreuter. Laute doch der Leitsatz der Gesellschaft „In Geborgenheit sein und Loslassen.“ Und wo treffe das neben der Palliativbetreuung mehr zu, als in der Betreuung von Menschen mit psychiatrischen Problemen?

Die Kosten

Der Investitionsbetrag für die gesamte Weiterbildung beträgt 3235,- € pro TeilnehmerIn. Gemessen an vergleichbaren Weiterbildungen liegt das durchaus im unteren Preissegment. Der Return of Investment hingegen ist bei weitem höher, als in anderen, mitunter massenhaft gefertigten, Angeboten. Ermässigungen für einzelne Teilnehmende sind in Wien vor allem über den WAFF möglich (bis zu 50%).

Aber auch für Organisationen, welche die Weiterbildung gleich für mehrere MitarbeiterInnen buchen wollen gibt es ein attraktives Zuckerl: Bei Buchungen für 10 TeilnehmerInnen erhalten zwei weitere der gleichen Organisation die gesamte Weiterbildung gratis.

Und für die ganz Schnellen gibts noch eins drauf: Alle Organisationen, die bis 15. März 2019 mindestens zwei MitarbeiterInnen verbindlich zu dieser Weiterbildung anmelden, erhalten zusätzlich und gratis ein Tagesseminar zu einem frei wählbaren Thema aus unseren aktuellen Fortbildungsangeboten. (Gilt nur für die Angebote von geronto.at)

Die Adresse

Schulungszentrum der IGSL-Hospizbewegung, 1090 Wien, Währinger Straße 3/11.

Die Anmeldung

Anmeldung und noch mehr Informationen finden Sie hier. Gerne können Sie uns auch anrufen um konkrete Fragen abzuklären. Frau Mag. Johanna König-Ertl (Lehrgangsbegleitung) und Frau Agnes Miliewski stehen gerne unter der Tel. Nr 01/ 9691166 sowie unter der E-Mail Adresse info@igsl-hospizbewegung.at zur Verfügung.


Die zusätzlichen Angebote

Als zusätzliche und diese Weiterbildung ergänzende Maßnahmen bieten wir Altenpflegeorganisationen aber auch an, sämtliche andere MitarbeiterInnen – entsprechend deren jeweiligen Aufgaben und Qualifikationen – in den wichtigsten Angelegenheiten der gerontopsychiatrischen Pflege und Betreuung zu schulen.

Zur Basisschulung Gerontopsychiatrische Pflege

Und: Wir bieten an, Sie auch in allen, für die Implementierung einer qualitativ hochwertigen gerontopsychiatrischen Pflege, wichtigen Prozesse der Organisationsentwicklung beratend zu unterstützen.

Kontaktieren Sie uns.