Kommunikation – Inkongruenz

Im vorigenTeil unseres Kommunikationskurses haben wir uns recht intensiv mit Kommunikationsmodellen beschäftigt. Diesmal wollen wir uns damit beschäftigen, was es heisst, wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht  übereinstimmen und was alles passieren kann, wenn man jemand das Gesicht waschen, aber nicht nass machen soll.

Anja und Kurt besuchen uns auch noch mal kurz, um ein bisschen rumzustreiten. Dann entschliessen sie sich aber, gar nicht ins Kino zu gehen, sondern lieber ins Bett. Sagten wir schon, dass die beiden Bononos sind, die ihre Konflikte mittels Sex regeln? Das funktioniert!

Jede Nachricht hat also einen verbalen und einen nonverbalen Anteil. Diese beiden Anteile können sich gegenseitig ergänzen und unterstützen oder sich widersprechen. Ergänzen sie sich gegenseitig, so sprechen wir von einer kongruenten Nachricht, widersprechen sie sich gegenseitig, ist es inkongruente Nachricht.

Kommunikation findet immer auf zwei Ebenen statt: auf der Mitteilungsebene und auf der Metaebene. Diese beiden Ebenen qualifizieren sich gegenseitig, sie geben also wechselseitig Interpretationshilfen darüber, wie das andere gemeint ist.

Dabei unterscheiden wir vier verschiedene Möglichkeiten der Qualifikation:

Inkongruente Qualifikation durch den Kontext

Wenn Anja nun mit Kurt ins Kino geht und bei jeder Schiesserei seufzt: „Ach, wie romantisch!“ handelt es sich um eine inkongruente Qualifikation durch den Kontext, da Filmschiessereien ja nicht romantisch sind.

Inkongruente Qualifikation durch die Formulierung

Inkongruente Qualifikation von Gesagtem, stellt einen Sachverhalt durch Überspitzung dar und beschreiben dabei die Position des anderen ironisch: „Schnelle Autos, harte Fäuste, nackte Titten – das ist was für echte Kerle!“

Inkongruente Qualifikation durch Mimik und Gestik

Wenn Anja zu Gabi sagt: „Ja ein toller Film war das, in dem mich Kurt letztens geschleppt hat!“ und dabei genervt die Augen verdreht oder den Kopf schüttelt, wird die Aussage durch ihre Mimik und Gestik inkongruent qualifiziert.

Inkongruente Qualifikation durch den Tonfall

Sagt sie hingegen zu Kurt: „Vielen Dank für den schönen Abend!“, jedoch mit zornigem oder sarkastischen Unterton dann wird ihre Aussage durch den unpassenden Tonfall inkongruent.

Double-Bind-Botschaften

Bei einer inkongruenten Nachricht haben wir also immer zwei differente Nachrichten, die der Sender vermischt. Wenn man jetzt zu einer solchen inkongruenten Nachricht, auch noch den Aspekt des Appells, welchen der Sender ausgibt, nimmt, ist man in jener Situation, die Watzlawick als Double-Bind-Situationen bezeichnet.

„Du kannst ja tun, was du willst, aber wenn du so weitermachst, gehe ich in Zukunft mit jemand anderen ins Kino!“

Der Empfänger hat bei solchen inkongruenten Nachrichten immer das Problem, auf welche der beiden, sich widersprechenden, Botschaften er reagieren soll. Reagiert er auf den nonverbalen Teil der Nachricht, hat der Sender genauso die Möglichkeit zu sagen, dass er das so nicht gemeint hätte, als wenn der Empfänger auf die verbale Äußerung eingeht, da beide Äußerungen im Widerspruch zueinander stehen.

Hier gibt es für den Empfänger solcher Nachrichten nur die Möglichkeit, die Situation durch Metakommunikation (also „Reden über’s Reden“) zu klären und mit dem Sender zusammen seine vermischten Nachrichten zu ordnen.

„Was ist das jetzt, Liebling? Eine Drohung?“

„Ach Quatsch, nein. Tut mir leid. Aber ich geh vielleicht lieber doch mit Franz und Alfred zu Bruce Willis.“

„Na fein. So lange du nur mit mir ins Bett gehst …“

Doch es gibt auch Situationen in denen der Empfänger vom Sender abhängig ist und nicht die Fähigkeiten oder Möglichkeiten zur Metakommunikation hat. Bestes Beispiel hierfür ist die Eltern-Kind-Beziehung. Ein Kind bleibt in einer solchen Double-Bind-Situation gefangen, weil es nicht die Fähigkeit hat die Selbstoffenbarungsebene der Nachricht zu erkennen, sondern nur in der Lage ist, das Gesagte mit dem Beziehungsohr zu hören. So kann es gar nichts recht machen, da sich die beiden Appelle der Nachricht widersprechen.

Es gibt Untersuchungen, die nachwiesen, dass durch solche Double-Bind-Situationen in der Kindheit die Entwicklung von Schizophrenie begünstigt wird, als Lösungsweg des Kindes, allen beiden, sich aber widersprechenden Appellen, gerecht zu werden.

Aber auch in anderen Abhängigkeitssituationen, wie zum Beispiel PflegerIn/ PatientIn, ChefIn/ MitarbeiterIn, LehrerIn/ SchülerIn etc. kann eine Double-Bind-Aussage des/der jeweils Mächtigeren, den/die in anderen in Bedrängnis bringen, da Metakommunikation in solchen Situationen von den Betroffenen oft nicht gefordert werden kann.

Metakommunikation und Feedback

Gute Metakommunikation verlangt, sich selbst und seine eigenen Gefühle zu akzeptieren, Mut, auch unangenehme Gefühle zu äußern, weiters die Fähigkeit, Konfrontation und Probleme als normal zu betrachten, aber auch das Gegenüber akzeptieren und verstehen zu wollen, sowie die Bereitschaft sich selbst zu hinterfragen, Fehler einzugestehen und zu verändern.

Eine Form der Metakommunikation ist das Feedback, also die Rückmeldung Rückmeldung des Empfängers an den Sender, wie dessen Kommunikation wahrgenommen, verstanden und erlebt wurde. Die Feedback-gebende Person kann so ihr selbst wichtige Anliegen und Bedürfnisse geltend machen.

„Anja! Das hört sich ja an, als ob du jetzt Lust auf Sex hättest…“

„Ja? Warum nicht? Mach mir den Bruce Willis, Schatz!“

Die Feedback-Ausgangssituation lässt sich gut mit dem „Johari-Window“ darstellen. Dieses Modell zeigt auf, welche Eigenschaften einen selbst bekannt sind, bzw. dem Umfeld bekannt sind.

Der Quadrant A stellt den öffentlichen Bereich dar, jener Anteil den sowohl die Betroffenen selbst an sich kennen, als auch den anderen bekannt machen. Der Quadrant B ist der geheime Bereich, die nur die Betroffenen, nicht andere aber kennen sollen.

Im Quadrant C, dem „blinden Fleck“, liegen alle Eigenschaften die nur von anderen nicht aber von den Betroffenen selbst wahr genommen werden und im Quadrant D, dem unbekannten Bereich, sind jene Eigenschaften und Vorgänge angesiedelt, die weder den Betroffenen noch den anderen bekannt sind.

Durch Feedback kann sich nun der blinde Fleck für den Betroffenen verkleinern, aber auch sein geheimer Bereich. Mit anderen Worten: Der Mensch wird „öffentlicher“. In welcher Intensität dies vor sich geht, steuern die Betroffenen allerdings selbstständig, was letztlich auch den wesentlichen Unterschied zur Kritik darstellt.

Demnächst im im 4. Teil: Nonverbale Kommunikation


Das Seminar zum Thema finden Sie hier.