So sind sie, die Deutschen…

So schnell kanns gehen: Am 20. Dezember fantasierten wir noch, anlässlich der Einführung des 12-Stunden-Tages durch unsere Bundesregierung und des verzichtbaren Applauses seitens einiger Pflegender dazu, von einer 35-Stunden-Woche bei gleichzeitigem vollen Lohnausgleich (siehe: 35 Stunden. Jetzt!).

Und dann passiert genau das wirklich! Allerdings nicht hierzulande – wo kämen wir denn da auch hin? – sondern in Frankfurt am Main.

A Real Happy New Year: Das glückliche Team der Frankfurter Rotkreuz-Kliniken.

Die Meldung ging am 8. Jänner – kurz nachdem sie die Frankfurter Rundschau sowie die Frankfurter Neue Presse gebracht hatten – in den sozialen Netzwerken viral: Frankfurts Rotkreuz Kliniken canceln die 38,5-Stunden-Woche für die Pflege und führen die 35-Stunden-Woche bei vollen Lohnausgleich ein.

Wer nun denkt, die GewerkschafterInnen hätte sich nun endlich nach 50 Jahren (so lange wird diese politische Forderung bereits in Europa diskutiert!) durchgesetzt, irrt. Die Krankenhausleitung beschloss diese Maßnahme ohne politischen Druck von aussen oder innen und begründet sie mit den hohen Arbeitsanforderungen für die Pflege.

Wir möchten dadurch unseren guten MitarbeiterInnen etwas zurückgeben. Dies gibt uns die Möglichkeit, sie durch die geringere Arbeitszeit körperlich zu entlasten und ihnen auch mehr Zeit mit ihren Familien zu ermöglichen. Dieser Aspekt liegt uns als „berufundfamilie“ zertifizierter Arbeitgeber besonders am Herzen“, so die Oberin der beiden Frankfurter Rotkreuz-Schwesternschaften, Karin Schoppet.

Wunder ist das keines, denn die beiden Kliniken mit insgesamt 500 Beschäftigten (davon 150 Pflegekräfte) sind „inhabergeführt“, eine spezielle Form der Selbstverwaltung, die im kakanischen Österreich kaum bekannt ist. Diese sogenannten „Hybridkrankenhäuser“ bieten Belegärzten die Möglichkeit, ihre PatientInnen selbst zu operieren – und auch das ist hierzulande, wo bereits Praxisgemeinschaften eine Art Sakrileg darstellen, kaum denkbar.

Die Arbeitszeitverkürzung ist auf zunächst zwei Jahre befristet, ihre Kosten belaufen sich nach Angaben von Geschäftsführer Sevecke auf „etwas über 500 00 Euro“ im Jahr. Angenehmer Nebeneffekt: Mit sofortiger Wirkung der neuen Arbeitszeit wurden gleich auch elf neue Arbeitsplätze geschaffen. Für Ängste, dass diese trotz des eklatanten bundesweiten Pflegenotstandes nicht belegt werden könnten, besteht aber kein Grund, denn der Run auf einen Job bei den Rotkreuz-Kliniken in Frankfurt hat begonnen. Und die können nun wählen.

Vernunftbegabte Personalverantwortliche werden hier eher früher als später nachziehen müssen. Wer hohe Qualität in der Pflege bieten will, muss hohe Qualität von der Pflege fordern. Und wird eine solche nur bekommen, wenn auch hohe Qualität für die Pflege geboten wird.  Aber erklär mal einem Blinden van Goghs Sonnenblumen …

Quelle: Pressedienst der  Frankfurter Rotkreuz-Kliniken