Kommunikation – Die Grundlagen

Psychiatrische Pflegepersonen können nur reden. Na gut, so schlimm ist es auch wieder nicht, aber es stimmt schon: Reden, das können wir wirklich gut. Weil wir wissen, dass es oft – meist sogar – das einzige ist, was hilft. Kommunikation ist auch in der Geriatrie das, was das Skalpell in der Chirurgie ist: ein Instrument. Aber man muss es beherrschen, sonst verletzt man sich oder andere damit.

In den nächsten sechs Wochen bringen wir hier einen mehrteiligen Theoriekurs in Sachen Kommunikation. Aber nicht dass Sie denken, Sie könnten das dann. Denn mit der Kommunikation verhält es sich wie mit dem Schwimmen: Man lernt es nicht aus Büchern oder Vorträgen, sondern nur indem man’s tut.

Das Wort Kommunikation kommt vom lateinischen communicare, wo es soviel bedeutet wie „mit der Gemeinschaft teilen“ aber auch „der Gemeinschaft mitteilen“.  Daraus folgt, daß eine Gemeinschaft mit zumindest einem anderen Menschen die Grundvoraussetzung für Kommunikation ist.

Kommunikation ist ein Grundbedürfnis, gleichzusetzen mit Nahrung, Sicherheit, Wärme und Schutz. Wenn wir nicht kommunizieren können oder dürfen, sterben wir! Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick drückt das sehr prägnant in dem Satz „Man kann nicht nicht-kommunizieren“ aus.

Er meint dies sowohl bezogen darauf, daß Menschen, die nicht mehr kommunizieren, tot sind, als auch darauf, daß es einfach nicht möglich ist, in einer sozialen Situation sich anderen Menschen nicht mitzuteilen

Formen der Kommunikation

85 – 90% der Kommunikation geschehen nonverbal und meist unbewusst, lediglich 10 – 15% dessen, was wir anderen mitteilen, geschieht durch bewusste Wortwahl.

Verbale Kommunikationsformen:
  • Monolog: nur ein Mensch spricht (z. B. Vortrag, Direktive, etc.)
  • Dialog: zwei Menschen sprechen miteinander (Zwiegespräch)
  • Polylog: mehrere Menschen sprechen miteinander (z. B. Diskussion)
  • Schrift: (Zeichen und Buchstaben)
Nonverbale Kommunikationsformen:
  • Visuell/optisch: etwas zeigen, sehen
  • Auditiv/akustisch: Klang und Töne, z. B. durch die Stimmmodulation
  • Mimisch/ gestisch: Körperhaltung, Gesichtsausdruck
  • Haptil/ Sensorisch: durch Berührung

Faktoren der Kommunikation

Bewusste Kommunikation kann man auch vergleichen, mit dem gezielten Absenden und Empfangen bestimmter Botschaften. Für beides, Absenden und Empfangen, müssen wir auf drei Ebenen bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Funktionelle Ebene: Sprechen können und Hören können
  • Formelle Ebene: Benennen können und Erkennen können
  • Inhaltliche Ebene: Vermitteln können und Verstehen können

Ist eine dieser Ebenen durch äußere (z. B. Lärm) oder innere Einflüsse (z. B. Angst) gestört und kann dies nicht kompensiert werden, treten mehr oder weniger große Kommunikationsprobleme auf.

Kommunikationsprobleme und -barrieren

Gehen wir von der o. a. Einteilung verschiedener Ebenen der Kommunikation aus, können wir bei alten Menschen folgende Probleme unterscheiden:

Funktionelle Probleme:
  • Mundtrockenheit und Heiserkeit
  • Fehlender Zahnersatz
  • Altersschwerhörigkeit,
  • Altersschwachsichtigkeit
  • Fehlende Schreibgeräte
  • Fehlende Hörgeräte
  • Fehlende Brillen
Formelle Probleme:
  • Vergesslichkeit
  • Stress und Zeitdruck
  • Wortfindungsstörungen
  • kognitive Einschränkungen
  • Neologismen / Paraphrasie / Mutismus
  • Sprache wird nicht verstanden oder nicht gesprochen
  • Komplexe Zusammenhänge werden nicht nachvollzogen
Inhaltliche Probleme:
  • Angst
  • Negativismus
  • Affektive Einengungen
  • Wahn / Wahnanmutungen
  • Botschaften werden nicht ernst genommen
  • Botschaften werden als Bedrohung gesehen
  • GesprächspartnerIn entspricht nicht den Vorstellungen
Weiters begegnen uns einige Massive Barrieren:
  1. Wir haben vorgefasste Meinungen über GesprächspartnerInnen, die von vielen unterschiedlichen Dingen abhängen, etwa Herkunft, soziale Schicht Äußeres, Alter und auch die Diagnose!
  2. Die soziale Gruppe, der wir uns zugehörig fühlen, beeinflusst unsere Meinungen und Gefühle über GesprächspartnerIn und -inhalt. Dass wir uns etwa der Gruppe der Jüngeren und Gesunden / angehörig fühlen, macht einen großen Unterschied, wie ernst wir unser älteres, krankes Gegenüber nehmen.
  3. Wir hören primär das, was wir hören wollen und filtern Informationen aus, die uns im Moment als unwesentlich erscheinen. Dies kann soweit gehen, dass wir sogar widersprüchliche Informationen – also Dinge die nicht in unser vorgefertigtes Bild von den GesprächspartnerInnen oder der Situation passen wollen, ignorieren.
  4. Unsere nonverbale Kommunikation kann etwas anderes vermitteln als unsere verbale (Inkongruenz). Dies ist zwar steuerbar, hängt aber auch von persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen des Gegenübers ab. Dies kann auch auf die verbale Botschaft abfärben, in dem etwa Worte und ihre Bedeutung unterschiedlich aufgefasst werden
  5. Schließlich unterliegt auch Wahrnehmung und Interpretation des Gesagten inneren und äußeren Einflüssen, etwa Lärm oder Stress.

Demnächst im im 2. Teil: Kommunikationsmodelle und Theorien


Das Seminar zum Thema finden Sie hier.