35 Stunden. Jetzt!

Eigentlich könnten wir Weihnachten ja gleich ganz abschaffen, denn seit Basti und sein B-Team dieses Land regieren, bekommen wir ja eh fast täglich tolle Geschenke: Wir dürfen weiterhin überall rauchen bis die Feuerwehr kommt, auf der Autobahn gehts jetzt mit 140 km/h in die Lärmschutzwände und selbst den minderjährigen Flüchtlingen hat man ein Waldhäusl geschenkt,  damit sie konzentriert gelagert sind.

Auch der Industriellenvereinigung hat das Christkind mit dem Slimfit-Anzug ein lang ersehntes Geschenk gemacht: Endlich dürfen die ArbeitnehmerInnen wieder 12 Stunden pro Tag arbeiten. Natürlich freiwillig. Türkises Ehrenwort! Das freut sogar manchen Vollhonk aus der Pflege, wie ein Artikel im Standard vom 7. Dezember belegt.

 

Unter dem Titel Krankenpfleger: „Alle wollen Zwölfstundendienste“ und dem Anreisser „Achtstundendienste seien unbeliebt, sagt ein Pfleger, der anonym bleiben will und im Westen Österreichs tätig ist. Denn dann müsse man öfters arbeiten“ erfolgt das allseits bekannte Sudern, Seiern und Rechtfertigen eines Menschen, der offensichtlich grade vom dritten Nachtdienst in Serie kommend deliriert.

Aus Gründen, die nur er kennt, verweigert er uns seinen Namen, lässt aber in der Beschreibung seines beruflichen Alltags doch einen tiefen Blick auf seine vielfachen Belastungen zu: „Wir haben Patienten, die bereits gehen können, wenn sie zu uns kommen. Deshalb machen die Physiotherapeuten die eigentliche Arbeit – die Pflege beschränkt sich darauf, den Leuten beim Duschen zu helfen, ihnen Stützstrümpfe anzuziehen oder sie für die Physio bereitzumachen. Den restlichen Tag verbringe ich auf der Ambulanz, kontrolliere Blutzuckerwerte oder beantworte Fragen der Patienten„.

Ja dann …

Wir ersparen  Ihnen weitere Zitate dieser Peinlichkeit aus einem sog.  Qualitätsmedium. Dass dem Beitrag jedoch eine heftige LeserInnen-Diskussion folgt, ist schon bemerkenswert, scheint doch der Großteil der Diskutierenden Pflegende zu sein. Und die Meinungen dazu sind durchaus differenziert. Während gut ein Drittel Pfleger Anonymus recht gibt, kritisiert ein zweites Drittel die Suada (zu recht). Und ein paar machen sogar konstruktive Gegenvorschläge:

Leser „Gunnarson“ etwa postet: „Die Pflege braucht nicht weniger Tagesarbeitszeit, sondern weniger Wochenarbeitszeit. Bei gleichem Gehalt!“ Aber hallo – das ist ja mal ein Vorschlag!

Seit ich zur werktätigen Masse zähle (und das sind nun auch schon 41 Jahre) höre ich AK, ÖGB und SPÖ von der 35 Stunden-Woche reden. Bei vollen Lohnausgleich natürlich. Und seit ich in der Pflege arbeite (36 Jahre) weiss ich, dass dieser Beruf Schwerstarbeit ist. Und dass 12-Stunden-Dienste auf Dauer der direkte Weg ins Burnout sind.

Doch was ich nicht höre, sehe oder weiss, ist was die zumindest Mit-Verantwortlichen dafür getan haben, dass eine 35-Stunden-Woche tatsächlich eingeführt wurde . Ja, liebe Arbeiterkammer, werter ÖGB, verstörte SPÖ und sehr bemühter ÖGKV – auch euch meine ich damit! Oder seid ihr etwa die gleichen Suderanten wie der Pfleger Anonymus, nur halt auf einem etwas höherem Niveau?

35 Stunden sind genug!

35 Wochenstunden, das wären 4 x 8,5 Stunden. Oder 5 x 7 Stunden. Oder 3 x 8,5 Stunden und ein 10er Nachtdienst. Da bleibt dann Zeit genug über für Familie, Häuslbauen und die notwendige Selbstpflege.

35 Stunden pro Woche – bei vollem jetzigen Gehalt wohlgemerkt! – das wäre wirklich eine Attraktivierung der professionellen Pflege. Mehr als alle frommen Lippenbekenntnisse unserer Superministerin Beate (pauperi spiriti) Hartinger-Klein zusammen.

35 Stunden bei einem Gehalt für 38 Stunden – das könnte auch ein Beitrag sein, den Pflegenotstand langsam in den Griff zu bekommen (wenn auch nicht der einzige).

35 Stunden pro Woche – das könnte auch bedeuten, dass der Blödsinn mit den Teilzeitjob-Angeboten endlich eingedämmt wird. Aber will das eigentlich wer? Zwei Drittel der zur Zeit in Wien offenen Stellen in der Pflege sind keine Vollzeit-Jobs! Warum eigentlich nicht?

Killerfrage – Killerantwort

Erhebt sich natürlich die Frage, wer das finanzieren soll. Tja, ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich wurscht. Angesichts der Kosten eines Bauzauns für das Krankenhaus Nord (839.000,- €) oder jene der Sicherheitsmaßnahmen für die Hochzeit einer Ministerin (223.000,- €) oder des Jahresgehaltes eines nicht amtsführenden Wiener Stadtrates (122.584,- €) mag ich keine Finanzfragen mehr diskutieren.

Es scheint genug Geld da zu sein, aber für die Generation, die dieses Land aufgebaut hat, muss es ein (privat finanziertes) Denkmal auch tun. Und für jene die diese Generation pflegt, reichen offensichtlich die Sonntagspredigten der Hannis und Nannis jeglicher politischer Coleur.

Es erhebt sich ernsthaft die Frage, wie lange wir uns das gefallen lassen. Wann ist das Maß voll, wann läuft das Faß über? Und was tun wir dann? Und was tun wir jetzt? Sudern alleine wird nicht genug sein. Goschen halten, Hände falten auch nicht.

Wir gehen grauslichen Zeiten entgegen. Mir scheint der Winter wird sehr kalt und diesmal wirklich lange dauern. Zieht euch also warm an und lasst das Feuer nicht ausgehen. Mischt euch ein. Haltet zusammen. Und bleibt in Bewegung.

Zum Beispiel so.

Schöne Weinachten. Wir lesen uns wieder im neuen Jahr.