Der Masterplan von Bastis Klan

Wie vollmundig angekündigt wurde vorige Woche von der türkis-blauen Regierung dieses Landes ein sogenanntener „Masterplan Pflege“ präsentiert. Nicht, dass wir uns etwas anderes erwartet hätten, aber dem Konvolut fehlt sowohl das, was man sich landläufig unter dem Begriff „Plan“ vorstellen würde, als auch jegliches „meisterhafte“. Es sei denn, man möchte unter „Masterplan“ das verstehen, was einem Simmeringer „Hausmasta“ nach drei Vierteln Veltliner dazu einfällt.

Das rief natürlich stehenden Fusses Kritik hervor. Und zwar nicht nur von der (ohnehin nur rudimentär vorhandenen) Opposition sondern auch von der Historikerin Marie-Theres Egyd und von Hanna Mayer, Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Wien – beide im Standard. Und selbst unser sonst eher gemässigte Berufsverband äusserte sich dazu in ungewohnter Schärfe.

Im folgenden bringen wir die Presseaussendung des ÖGKV im Originaltext und schliessen uns dieser vollinhaltlich an:

Wien (OTS) – Der von der Regierung angekündigte Masterplan Pflege liegt nun am Tisch und wurde vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) begutachtet. Über den ersten Entwurf lässt sich sagen, dass bekannte Problemfelder zwar beschrieben werden, konkrete Maßnahmenpakete aber immer noch offen bleiben.

Etwa 2,6 Millionen chronisch Kranke, 460.000 Pflegegeldbeziehende und rund 130.000 Menschen die an Demenz leiden, sowie der jährlich Zuwachs von vier Prozent an mobilen Pflegeleistungen, machen den zunehmenden Bedarf an Pflegeleistungen deutlich.

Zwar unterstützen an die 947.000 Österreicher Pflegebedürftige im häuslichen Bereich, doch auch sie stoßen zunehmend an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Der Fokus der Regierung wird nun verstärkt auf die Pflege zu Hause und somit auf pflegende Angehörige gelegt. In den Vordergrund wird ebenso der Bereich der 24-Stunden-Betreuung, angesiedelt bei der Wirtschaftskammer, gerückt.

Deprofessionalisierung der Pflege?

Insgesamt ist eine Tendenz zur Deprofessionalisierung von Pflege- und Betreuungsleistungen nicht zu übersehen, was Anlass zur Sorge gibt. Unter diesen Gesichtspunkt wird das Ziel der Kostenoptimierung auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen werden. Dabei empfiehlt eine aktuelle Studie des Institutes für Pflegewissenschaft der Universität Wien, welche vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) in Auftrag gegeben wurde, unter anderem, Rahmenbedingungen für geteilte und sichtbare Pflegeverantwortung zu schaffen. Das bedeutet, dass genügend ausgebildetes Fachpflegepersonal zur Verfügung stehen muss. Genau dieser Punkt findet sich im Masterplan Pflege nicht.

Das wichtigste Ziel, das auch im Regierungsprogramm formuliert wurde, Pflege und Betreuung für alle Menschen in Österreich nachhaltig und qualitativ zu sichern, erfordert ein niedrigschwelliges und vor allem auch aufsuchendes Angebot an Beratung und Unterstützung. Dieses muss auf der individuellen Situation, sowie der Anleitung für pflegerische Interventionen durch die Fachpflege basieren. Der Ansatz, „Ausbau und Umsetzung der integrierten Versorgung unter Berücksichtigung der Verschränkung von Medizin und Pflege“, geht in die richtige Richtung. Ebenso die „Erweiterung der Angebote von Hospiz- und Palliativbetreuung“, sowie die angestrebte „Qualitätssicherung in der 24-Stunden-Betreuung“.

Kompetenz der Pflege verankern und honorieren!

Viele der beabsichtigten Punkte sind in zahlreichen Konzepten der Familiengesundheitspflege definiert und werden bereits in einigen europäischen Ländern seit Jahren erfolgreich umgesetzt. Dies bedeutet aber Pflege- und Betreuungsleistungen nicht länger durch das in den Vordergrund stellen der sozialen Kompetenz für diese Berufe zu bagatellisieren. Die Kompetenz der Pflegeberufe ist sichtbar zu verankern und zu honorieren. Das Image der Pflege zu heben, erfordert die ausreichende Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Darüber hinaus ist die Pflegepraxis so zu gestalten, dass die Rahmenbedingungen die Umsetzung des Handlungsspektrums an Pflegeleistungen auch möglich macht.

Es gilt nun abzuwarten, welche konkreten Maßnahmen innerhalb des sehr ambitionierten Zeitplanes zur Bearbeitung der vorgestellten Punktation auch zu Boden kommen.

Zum Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband

Zum Kommentar von Marie-Theres Egyd kommen Sie hier, zu jenem von Prof. Dr. Hanna Mayer hier und zum ebenfalls recht scharfen Kommentar der Gewerkschaft vida hier. Wer Lust hat, sich den 15-seitigen „Masterplan“  im Original anzusehen, kann das hier tun.