Kein Rauschen im Blätterwald?

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wer in seinem Budget noch den einen oder anderen Hunderter findet, denkt sich vielleicht: „Wie wär’s, wenn wir uns für’s nächste Jahr ein Fachzeitschriften-Abo gönnen?“

Gute Idee. Aber welches Fachmagazin soll es denn jetzt wirklich sein? Etwas mit Geriatrie auf alle Fälle, denn da arbeiten wir ja! Und wenn’s geht, was aus Österreich. Okay, wir haben uns mal umgesehen. Und wurden wieder enttäuscht. Diesmal aber positiv! Aber der Reihe nach.

Eher bescheiden scheint der Markt von Pflege-Fachzeitschriften hierzulande. Konkret sind es, von den qualitativ unterschiedlichen, hauseigenen Jubelblättern der grossen Träger-Organisationen mal abgesehen, ganze sechs Printmedien, die hierzulande produziert werden. Und nur eine davon hat einen explizit geriatrischen Inhalt.

Wer konkrete Themen der Altenpflege sucht und nicht auf Magazine aus dem Nachbarland zugreifen will, muss also darauf hoffen, dass solche in  allgemeinen Pflegefachzeitschriften Niederschlag finden. Sehen wir uns diese mal etwas genauer an:

Die Österreichische Pflegezeitschrift

wird vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband herausgegeben und ist in erster Linie auch eine Mitglieder-Zeitung. Aber auch als Nicht-Mitglied kann man ein Abo um 44,- € erwerben. Das heisst: 10.000 Stück in sechs Ausgaben pro Jahr und in der Stärke von je 44 Seiten. Ihrer Widmung gemäß ist das älteste Fachmedium Österreichs (71. Jahrgang) auf „alle Angehörigen der Pflegeberufe“ ausgerichtet und bringt daher auch geriatrische Themen.

In den drei mir vorliegenden Ausgaben des Jahres 2018 (Nr. 4, 5 und 6) sind das immerhin sieben Fachbeiträge (von insg. 21). Die fachliche Qualität der Artikel wird den Ansprüchen des Verbandes durchaus gerecht,  ebenso Aktualität und Praxisrelevanz. Das Layout ist gefällig, an Lesbarkeit und Verständlichkeit darf zwar noch gefeilt werden, im Ganzen wirkt das aber sehr professionell.

Auch darüber hinaus hat sich das ehrwürdige Zentralorgan in den letzten Jahren sehr zum positiven gewandelt. Berufspolitik ist und bleibt natürlich das ewige Hauptthema, wenngleich auch in weitaus sanfterer Gangart als etwa in Deutschland üblich.

Zwölf Seiten der Zeitschrift (rund 28%) sind Werbeeinschaltungen, die Hälfte davon in eigener (ÖGKV-) Angelegenheit. Wer eine Jobanzeige buchen will, muss mit 427,- € pro Viertelseite rechnen, das inkludiert aber auch eine Online-Schaltung derselben auf der Website des ÖGKV. Kommerzielle Anzeigen kosten rund 600- € pro Viertelseite.

Gesamteindruck: Das Blatt darf durchaus als nützlich, ja notwendig angesehen werden, wenn auch für unseren Geschmack etwas zu brav. Wer es noch nicht hat, sollte es bestellen. Oder besser gleich dem (einzigen österreichischen) Berufsverband beitreten.

Pro Care

ist die zweitälteste Pflegefachzeitschrift hierzulande und kann mit der Zeitschrift des ÖGKV qualitativ gut mithalten. Was aber nicht wundert, steht hinter dem Blatt doch der Springer-Konzern, der nicht gerade am Hungertuch nagt und seine AutorInnen für ihre Arbeit bezahlen kann.

In drei Heften (3, 5 und 9/2018) finden sich insgesamt fünf Artikel mit geriatrischer und einer mit psychiatrischer Themenstellung, knapp ein sechstel aller Beiträge also. Diese sind jedenfalls praxisrelevant und verständlich geschrieben sowie anständig recherchiert, bisweilen aber auch von Promotion-Beiträgen nur schwer zu unterscheiden.

Insgesamt elf der 52 Seiten sind Werbeeinschaltungen und diese sind – bei einer Auflage von 8000,- Stück doch eher teuer: Ganze 1570,- € kostet da die Viertelseite – womöglich auch der Grund warum keine Stellenanzeigen zu finden sind. Der Abo-Preis hingegen ist akzeptabel: 48,- € pro Jahr für zehn Ausgaben sind erschwinglich-

Gesamteindruck: Professionell aber doch etwas krankenhauslastig. Ein bisschen mehr Geriatrie darf es schon sein. Und Vorsicht: Nicht mit der deutschen Pro Care aus dem gleichen Verlag verwechseln!

Pflegenetz – das Magazin für die Pflege

wird seit 2003 von der medical-update marketing & media GmbH herausgegeben und erscheint mit 10.500 Stück in 5 Ausgaben. Mit 30,- € ist es durchaus erschwinglich, mit 36 Seiten, von denen 16 Werbeeinschaltungen sind (Ausgabe (2/18), aber auch recht dünn.

Die Inhalte imponieren zum einen durch ein gutes Layout, zum anderen durch einen hohen Anspruch an die LeserInnen. Das hat der Zeitschrift vor allem bei PflegeakademikerInnen einen Namen gemacht, bei den PraktikerInnen gilt das Blatt aber als etwas abgehoben. Geriatrische Themen kommen eher nur fallweise vor (eines in drei Ausgaben) vor, psychiatrische hingegen öfters (drei in drei Ausgaben).

Wer ein Stelleninserat schalten will, löhnt 495,- € für die Viertelseite (inkl. Online-Präsenz und Platzierung im monatlichen Newsletter). Kommerzielle Inserate kosten pro Viertelseite 650,- Euronen.

Gesamteindruck: Sympathisch und freundlich (vor allem die seit Jahren konsequent umgesetzten Interviews mit Opinion Leader der Pflege) aber doch noch etwas mit dem Nimbus des Elfenbeinturms behaftet. Unverzichtbar, wenn man sich im akademischen Teil der österreichischen Pflegelandschaft bewegen oder seinen fachlichen Horizont um ein paar neue Perspektiven erweitern will.

QuPuG – Journal für Qualitative Forschung in Pflege- und Gesundheitswissenschaft

Mit diesem – doch etwas sperrigen – Titel präsentiert sich die jüngere intellektuelle Schwester des Pflegenetzes und definiert sich selbst als „wissenschaftlich hochwertiges Journal, das einen klaren Schwerpunkt auf qualitative Forschung im Pflege- und Gesundheitsbereich setzt“ dessen Ziel es sei, „einen Beitrag zur Entwicklung und Diskussion um bzw. von qualitative/r Forschung zu leisten (…).

Dies ist weder zu bestreiten, noch ist dem etwas hinzuzufügen. Das passt haargenau. Und hat letztendlich auch damit zu tun, dass es den österreichischen PflegewissenschafterInnen gelungen ist, mit solchen aus Deutschland (Uni Witten/Herdecke) und der Schweiz (FH Bern) zusammen zu arbeiten. Compliments aux dames de l’Anvantgarde!

In den von uns gesehenen drei Ausgaben waren in jeder mindestens ein Artikel zu einem geriatrischen und einem psychiatrischen Thema. Und diese waren überhaupt nicht langweilig, sondern sehr spannend, aktuell und praxisrelevant, aber durchaus anspruchsvoll.

Das Privatabo (zwei Hefte pro Jahr) kostet 65,- €, das Einzelheft ist um 42,- € zu haben – das sind durchaus sehr moderate Preise am Markt der wissenschaftlichen Literatur. Besonders sympathisch: Man kann die Artikel auch einzeln kaufen – um einen Preis von 15,- €.

Gesamteindruck: Wow! Österreich hat PflegewissenschafterInnen! Und was für welche! Der Luksch hat euch ganz fest lieb und wünscht euch viele viele PraktikerInnen als LeserInnen.

Lebenswelt Heim

Kein Fachjournal im engeren Sinn, aber qualitativ trotzdem nicht zu unterschätzen ist die Zeitschrift des Bundesverbandes der Alten- und Pflegeheime. Lange Zeit mehr Vereinsnachrichten im Yellow-Press-Format als Magazin mit tatsächlichem Informationsgehalt hat sich die „Prawda der HeimleiterInnen“ inzwischen zu einer ernstzunehmenden Meinungsmacherin gemausert. Wer im Lande (und vor allem auf dem Land) am Laufenden bleiben will, kommt daran nicht vorbei.

Möglich gemacht hat das vor allem die Chefredakteurin Gabriele Tupy unter Mitwirkung einiger hochrangiger FachautorInnen wie etwa Christa Lohrmann, Vorständin des Institutes für Pflegewissenschaft an der Uni Graz, Brigitte Nöbauer vom Departmement für Gesundheit und Soziales der FH Oberösterreich oder Martin Krexner vom Verein zur Förderung der Qualität in der Betreuung älterer Menschen (NQZ).

Ihrer Widmung entsprechend sind alle Artikel der Zeitschrift auf Geriatrie und Altenpflege (mit Schwerpunkt Heime) fokussiert, der Stil ist lesbar ohne auf wissenschaftlichen Anspruch zu verzichten, die Aktualität gewährleistet, die Kritikfreudigkeit (trotz offensichtlicher politischer Nähe zur Regierungspartei ÖVP) durchaus gegeben.

Die Zeitschrift erscheint vier mal im Jahr im Umfang von jeweils 36 Seiten bei nur 6 Seiten Anzeigen und in einer Auflage von 1600 Stück. Für Einrichtungen, die im Bundesverband der Alten- und Pflegeheime Mitglieder sind, gibt es jeweils vier Ausgaben gratis, Einzelpersonen können ein Jahres-Abo um 40,- € ordern.

Gesamteindruck: Informativ, notwendig, praxisorientiert. Und das (Göttin sei dank) nicht nur für HeimleiterInnen.

Die österreichische Zeitschrift für Pflegerecht

ist nun tatsächlich ein hochgradiges Fachmedium, allerdings nicht mit dem Schwerpunkt medizinische Geriatrie sondern Gesundheitsrecht. Dass sich dabei rund die Hälfte aller diskutierten Problemstellungen im Bereich der Geriatrie und (Geronto-)Psychiatrie bewegen, scheint indessen systemimmanent zu sein.

In einer Auflage von 1500 Stück und in einer Stärke von 32 Seiten erscheint die Zeitschrift seit 2010 sechs mal jährlich im Manz Verlag und hat sich mittlerweile zur unverzichtbaren Informationsquelle für alle juristischen Fragen – vom GuKG und Pflegegeldgesetz, über das HeimAufG bis hin zu Arbeits- und Anstaltenrecht – entwickelt.

Dementsprechend stolz ist auch der Abo-Preis: 99,- Euronen pro Jahr. Dafür gibt es dann aber auch keine Werbeeinschaltung (mit Ausnahme einiger weniger Produkte aus dem Manz-Verlag).

Gesamteindruck: Absolute Pflichtlektüre für alle QualitäterInnen, Sachverständigen und EntscheidungsträgerInnen.

Summarum:

Viel ist das also nicht, was sich in unserem Land an Printmedien für die geriatrische (und gerontopsychiatrische) Pflege abspielt. Gleichwohl die Qualität des Angebotes (wie auch der FachexpertInnen) sich nicht hinter den grossen Schwestern aus dem Norden verstecken müsste.

Vielleicht liegt es aber auch gar nicht an den hiesigen FachautorInnen, sondern an den LeserInnen. Wir wissen es (wieder mal) nicht wirklich. Und unsere Vermutungen stellen wir hier besser hinten an.

Aber wir machen trotzdem die Probe aufs Exempel und Ihnen ein Vorschlag: Wer bei uns bis 31. 12. 2018 für sein Team ein Seminar zu einem Rechtsthema bucht, erhält ein Jahres-Abo der Zeitschrift für Pflegerecht geschenkt!

Interessiert? Dann mailen Sie uns. Die Seminare finden Sie hier.