Deutsche Wertarbeit. Wieder mal.

Kennen Sie das? Sie lesen in einer Fachzeitschrift einen tollen Artikel und denken sich: „Wow, das wär ja was für uns!“ Und schlagen das vor. Nur mal so. Einfach zum Nachdenken. Und was ernten Sie? Stimmt: Kopfschütteln, Scheibenwischer und genervtes Augenrollen. „Theorie! Das ist ja sowas von weit weg von unserer Praxis!“

Genau das hörten auch die Mitglieder der  Bundesarbeitsgemeinschaft Pflegeforschung des deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe. Und wie die Deutschen nun mal sind, beliessen sie es nicht beim gemeinschaftlichen Sudern und Seiern, sondern setzten sich hin um dieses Problem zu lösen. Und schufen was? Richtig – eine APP.

Wer jetzt schon mal sein Smartphone zückt, um sich dieses Tool downzuloaden (o tempora o lingua!) darf es auch gleich wieder einstecken. Denn diese APP ist nicht das, was Sie denken!

Konkret handelt es sich dabei erfrischenderweise mal nicht um ein Computerprogramm sondern um eine Arbeitshilfe für die Übertragung Pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, – eine Anleitung, wie theoriebasiertes Wissen aus der Pflegeforschung effektiv  in die pflegerische Praxis umgesetzt werden kann.

Eine Anleitung also, die in 10 Punkten die wichtigsten Elemente zur erfolgreichen Umsetzung pflegewissenschaftlicher Erkenntnissen in die Praxis abbildet. Grundlegende Anforderungen und Bedingungen von qualitativen Normen werden dabei anhand von Impulsfragen und Empfehlungen dargestellt. Wir wollen Ihnen diese nicht vorenthalten:

  1. Titel und Abstract: Entwerfen Sie für Ihr Projekt einen Titel, der Interesse an dem zu bearbeitenden Thema weckt und Ihre KollegInnen und MitarbeiterInnen animiert, sich darüber zu informieren. Führen Sie kurz in das Thema ein und fassen Sie in wenigen Sätzen Ziele, Aufgaben und Methoden zusammen.
  2. Welche Ziele möchten Sie erreichen? Definieren Sie diese so eindeutig wie möglich. Nutzen Sie dazu die S.M.A.R.T.- Kriterien!
  3. Sichern Sie sich Unterstützung der Leitung! Welche Ressourcen müssen zur Verfügung gestellt werden? Welche Rahmenbedingungen sind für eine erfolgreiche Umsetzung notwendig? Welche personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen werden benötigt?
  4. Wer kommt als mögliche impulsgebende, projektleitende oder moderierende Person in Frage? Beschreiben Sie, wie das Thema an Projekt- oder Prozessverantwortliche delegiert werden kann: Bedenken Sie, welche Kompetenzen für die Umsetzung des Themas benötigt werden und wie diese bereits im Vorfeld erworben werden können, falls sie nicht vorhanden sind. Stellen Sie sicher, dass in der Einrichtung bekannt ist, wer das Thema begleitet und koordiniert.
  5. Wer sind mögliche Projektbeteiligte? Legen Sie die Zielgruppe Ihres Themas fest. Welche Personen können an Ihrem Thema mitwirken oder an der Entwicklung beteiligt werden? Erörtern Sie, welche Kompetenzen für eine erfolgreiche Umsetzung zur Verfügung stehen oder zu erwerben sind. Eine erfolgreiche Mitwirkung und Entwicklung hängt im Wesentlichen von der Motivation der beteiligten Personen ab. Wie können Sie diese motivieren?
  6. Welche Schnittstellen gibt es zu vorhandenen Strukturen und Prozessen? Beschreiben Sie fördernde oder hemmende Faktoren in Ihrem Unternehmen. Welche Strukturen und Prozesse sind bereits vorhanden und wie kann das Thema dort eingebunden werden?
  7. Was ist zu dem Thema schon bekannt? Was muss im Vorfeld bedacht werden? Suchen Sie relevante Literatur und werten Sie diese aus. Zeigen Sie vergleichbare Initiativen auf. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden? Welche ethischen Aspekte sind für Ihr Thema von besonderer Relevanz? Bedenken Sie, welche Hoffnungen geweckt werden und welche Konflikte entstehen können.
  8. Wer kann wie von dem Thema profitieren? Analysieren und benennen Sie für wen und in welcher Hinsicht das Thema gewinnbringend ist. Welche positiven Effekte können durch einen erfolgreichen Wissenstransfer für die MitarbeiterInnen und KlientInnen ausgelöst werden?
  9. Wie gehen Sie methodisch vor? Definieren Sie Zwischenziele und legen Sie Ihr Vorgehen fest. Beschreiben Sie die einzelnen Schritte handlungsleitend. Welche Arbeitsformen und Umsetzungsstrategien sind zur Zielerreichung geeignet?
  10. Wie können Sie feststellen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben? Mit welchen Instrumenten? Beschreiben Sie z. B. das Vorgehen in Audits, Befragungen, Pflegevisiten oder anderen qualitätsüberprüfenden Maßnahmen. Werten Sie die Ergebnisse aus und leiten Sie bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen ein. Sorgen Sie dafür, dass die neu entwickelten Vorgehensweisen dauerhaft in das bestehende Qualitätsmanagementsystem implementiert werden.

Wem das Ganze jetzt noch immer zu theoretisch ist, dem wird auch hier sehr effizient weitergeholfen, nämlich anhand dreier klassischer Beispiele: Erstens der Durchführung eines Qualitätszirkels, zweitens des Einsatzes von PflegexpertInnen zu bestimmten Themenbereichen und drittens der Implementierung von Expertenstandards.

Alle drei Beispiele werden anhand der zehn Punkte dieser „APP“ durchgespielt, detailliert beschrieben und eingehend erklärt. Als Draufgabe gibts noch jede Menge weiterführender Links zu wertvollen Materialien – vor allen des seit vielen Jahren agierenden deutschen Netzwerkes für Qualitätssicherung in der Pflege.

Alles in allem eine wirklich sehr gute und brauchbare Geschichte (the german said „geil“), die auch im ÖSI-Land auf fruchtbaren Boden fallen sollte. Die APP, samt Beispielen (insgesamt 35 fette Seiten!) gibts hier.

Mit nachdrücklichster Empfehlung! Und vielen Dank an Marc Helfen, Prof. Dr. Annegret Horbach, Ruth Klein und allen KollegInnen, die daran mitgearbeitet haben.

Quelle: www.dbfk.de

Seminare zum Thema:

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